Das Thema „Longevity“ ist nicht nur in den Sozialen Medien ein ungebrochener Hype, sondern begegnet uns auch im privaten Alltag immer öfter. Bei dem Lifestyle-Trend geht es darum, möglichst lange gesund zu leben. Als wichtigste Faktoren, um gesund zu altern, gelten richtige Ernährung, ausreichend Bewegung, gesunder Schlaf oder auch die Reduzierung von Stress.
Lange, bevor dieses Thema zum Trend wurde, beschäftigte sich der Mediziner und Lebenswissenschaftler Dr. Stephan Barth, der mit seiner Familie im Pfinztaler Ortsteil Wöschbach lebt, bereits mit „Longevity“ oder, wie er selbst sagt, den damals noch „Prävention“ genannten Maßnahmen für ein „gesundes Leben“.
Dr. Stephan Barth ist auch Autor des neu erschienenen Buches „Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels“ und für Pfinztals Pressesprecherin Elke Fleig (EF), war dies ein schöner Anlass in einem Interview, mehr über die Person Stephan Barth (SB) und seine „Lebenswissenschaft“ zu erfahren.
EF: Herr Dr. Barth, Sie nennen sich selbst „Lebenswissenschaftler“. Was kann man sich darunter vorstellen und wie verlief Ihr beruflicher Werdegang bis dahin?
SB: Im Englischen gibt es dafür den Begriff „Life Sciences“, also übersetzt „Lebenswissenschaften“. Es ist ein Sammelbegriff für alle wissenschaftliche Disziplinen, die sich damit beschäftigen, wie Leben und Gesundheit auf biologischer, medizinischer und molekularer Ebene funktioniert. Und weil ich in vielen dieser Disziplinen während meines Berufslebens gearbeitet habe, nenne ich mich kurz und knackig „Lebenswissenschaftler“.
Nach meinem Medizinstudium führte mich mein wissenschaftlicher Weg zunächst in die Zell- und Molekularbiologie am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim. Später habe ich viele Jahre am Max Rubner-Institut in Karlsruhe in der Ernährungsforschung gearbeitet und mich dort mit der Frage beschäftigt, wie Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe auf unseren Stoffwechsel und unsere Zellen wirken. Anschließend kam bei Dr. Willmar Schwabe noch die pharmakologische Forschung hinzu.
Seit rund zwei Jahren bin ich selbstständig und arbeite heute vor allem als wissenschaftlicher Gutachter und Berater für Unternehmen, die neue Produkte und Lösungen für den Gesundheitsmarkt entwickeln.
EF: Wie kam es, dass Sie sich nach Ihrem Studium der Medizin der Ernährungsforschung gewidmet haben?
SB: Mich hat schon früh interessiert, warum Krankheiten überhaupt entstehen und was lange davor im Körper passiert. Die klassische Medizin ist hervorragend darin, Risikofaktoren zu identifizieren, Erkrankungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Mich hat aber immer auch die Frage fasziniert, wie Gesundheit möglichst lange erhalten werden kann. Wie funktioniert Gesundheit?
Damit kommt man fast automatisch zu den täglichen Einflüssen auf unseren Körper. Ich spreche deshalb gerne vom „Wirkstoff Lebensstil“. Er wirkt nicht so drastisch wie eine Kopfschmerztablette, sondern kaum spürbar, aber eben kontinuierlich über viele Lebensjahrzehnte. Genau darin liegt auch seine Wirkleistung. Und in meiner eigenen Forschung habe ich solche biologischen Prozesse untersucht, die die gesundheitliche Wirkung der Ernährung vermitteln.
EF: Sie haben erzählt, dass es in Ihrer Forschung viel um Äpfel und Walnüsse ging – warum genau diese Nahrungsmittel und wie entstand daraus Ihr Motto „From Soil to Cell“?
SB: Äpfel und Walnüsse sind gute Beispiele dafür, dass Lebensmittel viel mehr sind als nur Kalorien. Gerade pflanzliche Lebensmittel enthalten eine Vielzahl biologisch aktiver Substanzen, die mit unserem Organismus und unserem Stoffwechsel interagieren können. In meiner Forschung interessierte mich deshalb nicht nur, WAS in einem Lebensmittel steckt, sondern vor allem, WIE die Stoffe wirksam werden und welche Signale letztlich tatsächlich in unseren Zellen ankommen.
Daraus entstand mein Motto „From Soil to Cell“, vom Boden bis zur Zelle. Es beschreibt für mich sehr schön, dass Gesundheit bereits bei der Qualität unserer Lebensmittel, unserer Umwelt und unserem täglichen Lebenswandel beginnt und dann aus dem Zusammenspiel vieler Prozesse entsteht, die bis in unsere Zellen Einfluss auf uns haben.
EF: Wenn Sie selbst Ihre Auffassung von Gesundheit darstellen sollten, was würden Sie unseren Leserinnen und Lesern dazu sagen oder raten?
SB: Gesundheit ist für mich kein statischer Zustand, den man einmal im Leben erreicht hat und dann für immer besitzt. Es ist eher wie ein ständiger Anpassungsprozess, bei dem unser Körper jeden Tag aufs Neue auf die Lebensbedingungen reagiert, die wir ihm letztlich bieten. Er versucht dann, bedarfsgerecht Energie bereitzustellen, Schäden zu reparieren, mit Belastungen umzugehen und sein inneres Gleichgewicht zu erhalten. Wenn das gut klappt, wird Gesundheit durch unseren Lebensstil erhalten.
Deshalb halte ich übrigens auch wenig von der Vorstellung, Gesundheit ließe sich auf einzelne Maßnahmen oder auf Knopfdruck mit einer Pille erzeugen, wie es derzeit viele der „Longevity Produkte“ versprechen. Der „Wirkstoff Lebensstil“ entfaltet seine Wirkung vor allem über die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen. Das ist eine echt große Chance, die wir da haben.
EF: Zum Schluss noch kurz und knapp: Was erfahren wir „Neues“ in Ihrem Buch „Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels – Superpower Mitochondrien“, das wir Anfang Dezember hier ebenfalls näher vorstellen werden?
SB: Mein Buch ist kein klassischer Gesundheitsratgeber nach dem Motto: „Tun Sie dies und lassen Sie jenes.“ Mich interessieren vor allem die vielen „Warum-Fragen“, die in herkömmlichen Ratgebern oft nur kurz oder gar nicht beantwortet werden.
Warum ist körperliche Aktivität so wirksam? Warum spielt Muskelmasse für gesundes Altern eine so große Rolle? Warum beeinflusst Schlaf weit mehr als nur unsere Müdigkeit? Warum wirken sich dauerhafte psychische Belastungen irgendwann auch körperlich aus?
Viele dieser Fragen führen letztlich zu den Mitochondrien, die wir aus dem Biologieunterricht noch als „Zellkraftwerke“ in Erinnerung haben. Im umfangreich und fantastisch illustrierten Buch erkläre ich gut verständlich und einfach anwendbar, warum Mitochondrien deshalb für Gesundheit und Krankheit so bedeutsam sind und was einen mitochondrienfreundlichen Lebensstil ausmacht.
Unseren Leserinnen und Lesern raten wir deshalb, bleiben Sie gespannt, denn Anfang Dezember werden wir Ihnen in dieser Rubrik nicht nur „Mitochondrien, die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels vorstellen“, Dr. Stephan Barth wird zusätzlich auch am 28.01.27 in unserem Bürgerhaus einen exklusiven Vortrag zum spannenden Longevity Thema halten.
Merken Sie sich diesen Termin gerne schon heute vor – nähere Informationen erfolgen zeitnah.
Und wer nicht bis dahin warten möchte, erhält weitere Informationen auch vorab unter:
www.drstephanbarth.com
https://www.linkedin.com/in/dr-stephan-barth/?isSelfProfile=true
