Im Rahmen der Trinkwassereinzugsgebietsverordnung sind Wasserversorgungsunternehmen dazu verpflichtet, erstmals eine systematische Risikobewertung ihrer jeweiligen Trinkwassereinzugsgebiete vorzunehmen. Ziel dieser Analyse ist es, potenzielle Gefährdungen innerhalb der Einzugsgebiete zu identifizieren und hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf die Trinkwasserressource zu bewerten. Auf Basis dieser Risikobeurteilung soll anschließend ein strukturiertes Risikomanagement etabliert werden, das präventive und abmildernde (= mitigierende) Maßnahmen umfasst, um die identifizierten Risiken wirksam zu minimieren. Übergeordnetes Anliegen der TrinkwEGV ist damit der nachhaltige Schutz der Rohwasserressourcen – insbesondere des Grund- und Oberflächenwassers – innerhalb der Einzugsgebiete.

Untersuchungsumfang:

  • Bestimmung und Beschreibung der Einzugsgebiete
  • Gefährdungsanalyse und Risikoabschätzung
  • Festlegung und gegebenenfalls Vorschlag zur Anpassung des Untersuchungsprogramms

Bestimmung und Beschreibung der Einzugsgebiete:

Für die Gemeinde Pfinztal wurden dabei das Wasserschutzgebiet Söllingen sowie das Wasserschutzgebiet Wöschbach untersucht.

Das Wasserschutzgebiet Söllingen ist mit rund 0,65 ha sehr klein und besteht lediglich aus der Schutzzone I und II bzw. IIA. Die vorherrschende Flächennutzung in diesem Gebiet ist Vegetation. Das Gelände der Wassergewinnungsanlage ist eingezäunt.

Das Wasserschutzgebiete Wöschbach ist rund 4,6 ha groß. Mit einem Anteil von jeweils etwa 36 % stellen sowohl die Siedlungsflächen als auch die landwirtschaftlichen Nutzungen einschließlich des Gartenbaus die vorherrschenden Formen der Flächennutzung im Einzugsgebiet Wöschbach dar. Weitere 29 % der Gesamtfläche entfallen auf Wald- und forstwirtschaftliche Areale. Das Gelände der Wassergewinnungsanlage ist eingezäunt.

Zur Eigenwassergewinnung dienen der Brunnen Dammreetz in Söllingen sowie der Heiligenbrunnen in Wöschbach. Das Einzugsgebiet liegt im Naturraum Kraichgau innerhalb der Großlandschaft Neckar- und Tauber-Gäuplatten. Hydrogeologisch befindet sich das Wasserschutzgebiet Söllingen in den jungquartären Flusskiesen und Sanden, während das Wasserschutzgebiet Wöschbach dem Oberen Muschelkalk zuzuordnen ist.

Schutzwirkung der Grundwasserüberdeckung:

Die beträchtliche Tiefe des Brunnens Dammreetz sowie die ausgeprägte Schichtung der überlagernden geologischen Einheiten verleihen der Grundwasserüberdeckung eine hohe Schutzfunktion gegenüber potenziellen oberflächennahen Einträgen. Ein technischer Hochwasserschutz ist am Standort nicht vorhanden, sodass bei erhöhten Wasserständen der Pfinz eine Beeinflussung des Grundwassers nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Wasserschutzgebiet Wöschbach befindet sich innerhalb der hydrogeologischen Einheit des Oberen Muschelkalks. Die Gebietsausprägung wird dennoch überwiegend durch Lösssedimente bestimmt, welche eine nur gering durchlässige Deckschicht ausbilden und somit die Grundwasserneubildung und den vertikalen Wassertransport maßgeblich beeinflussen. Lösssedimente weisen im Allgemeinen eine ausgeprägt hohe Schutzwirkung gegenüber dem Grundwasser auf, da sie aufgrund ihrer geringen Durchlässigkeit den vertikalen Wassertransport erheblich reduzieren. Im vorliegenden Fall ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Brunnen lediglich eine Tiefe von etwa 9 m aufweist. Diese vergleichsweise geringe Teufe kann die schützende Wirkung der Lössüberdeckung deutlich einschränken, da potenzielle oberflächennahe Einträge das Grundwasser schneller erreichen können.

Gefährdungsanalyse und Risikoabschätzung:

Die Gefährdungsanalyse gemäß W1001 (M) (DVGW 2020) umfasst eine systematische Erhebung und Bewertung sämtlicher Aktivitäten, technischen Anlagen und Nutzungsformen innerhalb des Einzugsgebiets, die potenzielle Gefährdungsereignisse auslösen können. Dabei werden sowohl anthropogene Einflussfaktoren – etwa landwirtschaftliche, industrielle oder infrastrukturelle Nutzungen – als auch natürliche Prozesse und Ereignisse berücksichtigt, die die Wasserressource im Einzugsgebiet beeinträchtigen könnten.

 

 

Abbildung 1: Kartographische Übersicht zum Rohwasserrisiko EZG Söllingen (d.h. ohne Berücksichtigung vorhandener Maßnahmen)

 

 

Abbildung 2: Kartographische Übersicht zum Rohwasserrisiko EZG Wöschbach (d.h. ohne Berücksichtigung vorhandener Maßnahmen)

Auswertung vorhandener und Vorschläge für neue Risikomanagementmaßnahmen:

Auf Grundlage der dargestellten hydrogeologischen Rahmenbedingungen, der Flächennutzungssituation sowie der bestehenden Rohwasserqualität ergibt sich ein deutlicher Bedarf für eine vertiefte hydrogeologische Untersuchung und eine Überprüfung bzw. Erweiterung der bestehenden Wasserschutzgebiete. Dies lässt sich aus mehreren fachlich relevanten Aspekten ableiten:

Im Wasserschutzgebiet Söllingen wurden historisch lediglich die Zonen I und II ausgewiesen; eine Schutzzone III wurde lediglich als Beobachtungsbereich definiert. Damit fehlen wesentliche Puffer- und Schutzbereiche, die üblicherweise potenzielle Belastungsquellen im weiteren Einzugsgebiet identifizieren und regulieren.