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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 28.02.18 , gültig bis Mi. 07.03.18

Das Mittelalter war ein wechselvoller geschichtlicher Zeitrahmen für das Pfinztal

Jeff Klotz referierte über Entwicklungen in 1000-jährigem Zeitraum

Jeff Klotz, Leiter des Römermuseums Remchingen und Organisator der Kultur- und Museumslandschaft Nordschwarzwald, hat seit geraumer Zeit auch in Pfinztal einen anerkannten Ruf, war er doch hier bereits Referent zu geschichtlichen und kunsthistorischen Themen der engeren Heimat. Auf Einladung des Heimatvereins Pfinztal und der Kommune referierte er nun zum Thema „Das Pfinztal im Mittelalter“ vor vollem Auditorium im Bürgerhaus, erwartungsfroh begrüßt vom Vorsitzenden Hans Weiß. Wegen des großen Interesses wurde bereits ein Wiederholungstermin angekündigt.

Jeff Klotz nahm in seiner besonderen persönlichen Art, ohne Textvorlage und mit profundem Wissen über die Materie mit Darlegung von Fakten und Erklärung von Sinnzusammenhängen, visuell unterstützt durch Power-Point-Material, die Besucher mit auf eine Zeitreise. Bei seinem Parforceritt durch 1000 Jahre Geschichte des Pfinztales stellte Klotz einleitend klar, dass es sich bei dem Begriff „Pfinztal“ um die geografisch-kulturelle Einheit von Durlach bis Straubenhardt handle. Er begrenzte den Zeitraum auf 500 bis 1500 n.Chr., also vom Frühmittelalter bis zum Beginn der Neuzeit. Das Mittelalter sei entscheidend für die Entwicklung der Dörfer gewesen. Die ersten frühmittelalterlichen Siedlungen in unserem Raum datieren um das Jahr 650 und damit vor der Christianisierung. Klöster und der Adel spielen damals noch keine Rolle. Orte mit der Endung -singen entstehen. Gefundene Gräberfelder wie in Berghausen („sie zählen zu den besterforschten in Baden-Württemberg“) sind Zeugnisse aus dieser frühen Zeit. Es wurden drei voneinander getrennte Grabanlagen mit unterschiedlichen Bestattungsformen gefunden. Erste frühchristliche Symbole bei den Funden stammen um 650. Zwei Grabstätten in Wilferdingen, davon eine die aus der vorchristlichen Keltenzeit stammt und 1000 Jahre später wieder belegt wurde, zeigen ähnliche Funde. Nach 700 bilden sich Klöster, von denen Weißenburg, später Lorsch und Hirsau, wichtig für die Christianisierung des Pfinztals werden. Aus der frühchristlichen Stammeskultur entsteht eine hochmittelalterliche Klosterlandschaft. Es entstehen kirchliche Gebietseinheiten und im 8.Jahrhundert auch Orte des Pfinztals wie die erstmals erwähnten Singen (769) und Berghausen (771). Es beginnt eine systematische Siedlungspolitik (fränkischer Landausbau); der Adel taucht auf, so um 1100 die Herren von Remchingen, Saldingen (Söllingen) und Straubenhardt und die Grafen von Hohenberg (Turmberg), auch „Grafen des Pfinztals“ mit Stammsitz in Grötzingen genannt; Kloster Gottesaue wird gegründet. 1262 wird eine Burg Saldingen genannt, die an Gottesaue übertragen wird. Das Dorf Remchingen (beim heutigen Bahnhof) und eine größere Festungsanlage mit Wasserburg (beim heutigen Freibad) entstehen. Die Remchinger Linien verlieren sich um 1550. Die Blütephase des niederen Adels liegt im 12. und 13.Jahrhundert; überall entstehen Kirchen und Pfarreien. Als besondere Kleinode spätmittelalterlicher Bauten gelten die Kirchen in Grötzingen und Söllingen. Der Niedergang des kleinen Adels bewirkt, dass große Häuser (Markgrafen) ab 1300 Besitz im Pfinztal aufkaufen. Die Häuser von Baden und Württemberg treten bei Gebietserweiterungen in unserem Raum in Konkurrenz. Die Zeit des Adels ist um 1500 vorbei; damit verschwinden auch Burgen. Bedeutsam war noch die Gründung des Klosters am Sperlingshof im Jahr 1460. Es gab hier wohl auch eine spätmittelalterliche Wallfahrt durch das Pfinztal über dieses Kloster bis Pforzheim und weiter bis nach Bayern.

Am 10.10.2018, 19.00 Uhr, kommt Jeff Klotz – aufgrund der sehr großen Nachfrage – mit diesem Vortrag nochmals ins Bürgerhaus. Platzreservierungen sind schon jetzt möglich unter Tel. 07240 62-141 oder 62-110.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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