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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 15.11.17 , gültig bis Mi. 22.11.17

Pfinztaler Seniorenakademie: Bewegte Kirchengeschichte und bemerkenswerte Sakralbauten

Jeff Klotz berichtete über Kirchen und Kirchengeschichte im Pfinztal

Der langanhaltende Beifall dürfte ein untrügliches Indiz für die inhaltliche Qualität und die Art des jüngsten, sehr gut besuchten Vortrags bei der Seniorenakademie Pfinztal gewesen sein. Versammlungsleiter Bernd Matthes brachte es auf den kurzen Nenner: „ein lebendiger, interessanter Vortrag“. Referent Jeff Klotz, Museumsleiter des Römermuseums Remchingen und auch Kurator des Archäologischen Museums Pforzheim, nahm sich dem Thema „Kirchen und Kirchengeschichte im Pfinztal – eine kirchliche Landschaft im Überblick“ an und erwies sich als profunder Kenner der Materie. So konnte er nicht nur Daten und Fakten nennen, sondern stellte auch Zusammenhänge dar und zeigte Hintergründe auf. Obwohl viele der Besucher Vorwissen mitbrachten, erfuhren sie zu diesem Thema auch viel Neues.

Kirchen und Klöster im Nordschwarzwald waren für Klotz zusammen mit Historikern seit längerem ein intensives Forschungsprojekt. Alle Kirchen in den Kreisen Karlsruhe, Calw und dem Enzkreis wurden bearbeitet. Einleitend verwies er auf die große Römersiedlung in Remchingen. Nach dem Abzug der Römer ab 260 n.Chr. erfolgte der Zuzug nichtchristlicher Alamannen, die den Ort Remchingen gründeten und nach der Christianisierung zwischen 600 und 700 auch eine Kirche bauten. Der Pfarrei war auch Kleinsteinbach zugeordnet. Als älteste Kirche im Raum gelte die Nöttinger Kirche. Weitere Ausführungen machte Klotz zur Klostergründungswelle zwischen 600 und 660 entlang des Rheins und zur Entstehung von Bistümern. Bedeutsam aus dieser Zeit seien sehr gut erforschte Gräberfelder in Berghausen („Hinter dem Dorf“). Wertvolle Grabfunde wurden gemacht; vom 7. Jahrhundert wurden diese geringer, christliche Symbole nehmen zu. Nach der auf Karl d. Gr. zurückgehenden Pfarrordnung hatte jeder Ort Anrecht auf Pfarrer, Kirche und Friedhof. Nach den älteren Orten mit der Endung „ingen“ entstanden durch den fränkischen Landausbau Orte mit -hausen, -bach und -stein. Als „wunderschöne Kirche“ bezeichnete Klotz das Kleinsteinbacher Gotteshaus. Weinbrenner, der Erbauer, habe seine in Italien gemachten Erfahrungen für Landkirchen hier umgesetzt: Zur damaligen Zeit (um 1817) eine moderne Bauform, für manche gar befremdlich oder pompös, mit tempelartiger Fassade, alles auf Sichtachse angelegt mit strenger Symmetrie, neu auch mit halbrunden Themenfenstern auf der Nordseite. Ein besonderer Wert der Thomaskirche sei auch deren Michaelsglocke, die älteste Kirchenglocke der Region. Ein besonderer Bau stelle auch die Söllinger Kirche dar, 1291 erstmals erwähnt. Es gab verschiedene Bauphasen, Sichtachsen sind schwer erkennbar. Der Kirchturm ist ältester Bauteil. Wandmalereien, ein Chorraum mit Rippengewölbe und Schlusssteine mit Wappen oder eine neugotische Empore gelten als bemerkenswert. Die wenigsten Aussagen nach der Quellenlage könne zur Berghausener Kirche gemacht werden. Ihre Entstehung datiert ins 13. Jahrhundert und wurde in den beiden folgenden umgebaut. Besonders wertvoll sei ein vorhandener Epitaph, entstanden im Jahr 1604. Als „herausragender Kirchenbau in der Region“ gelte die Kirche in Grötzingen mit ihrem gedrehten Turmdach. Als klassischer gotischer Bau besitze dieser drei Haupteingänge und beachtenswerte Malereien. Durch Umplanungen und Umbauten seien verschiedene Baueinflüsse erkennbar. Schließlich ging Klotz auch auf St. Barbara Langensteinbach (wichtige Wallfahrtsstation), die Weinbrennerkirchen Langensteinbach und Wössingen, das „Pilgerkloster“ Sperlingshof und die in Pfinztaler Kirchen gefundenen römischen Viergöttersteine ein.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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