Gemeinde Pfinztal · Hauptstr. 70 · D-76327 Pfinztal · Tel. 07240 62-0 · Fax 07240 62-199 · info@pfinztal.de · www.pfinztal.de

A+   Vollversion   Light-Version   Hilfe


Branchenverzeichnis Pfinztal

Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 04.10.17 , gültig bis Mi. 11.10.17

Leuchtturmprojekt zur Energiegewinnung und -speicherung

Nach fünfjähriger Entwicklungszeit ist das ICT-Anlage betriebsbereit

Sie war neben Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut eine der wenigen Frauen im Kreise der zahlreichen männlichen Experten in Sachen erneuerbare Energie und Speicherung, einiger Politiker und Industriepartner bei der Inbetriebnahme des Applikationszentrums RedoxWind im Fraunhofer ICT: Pfinztal-Bürgermeisterin Nicola Bodner freute sich mit und zeigte sich stolz über die Errungenschaften auf dem Berghausener Hummelberg und das dortige Forschungsprojekt. Institutsleiter Prof. Dr. Peter Elsner sprach in seiner Begrüßung von einem „Baustein der Energiewende“ und „Wir werden viele überzeugen können, dass diese Form der Großbatterie eine wertvolle Alternative ist“. Er zeichnete die Entstehungsgeschichte des Projekts nach, mit Beginn des Genehmigungsverfahrens im Jahr 2007. Als Ziel habe man im Auge, einen energieautarken Campus vorweisen zu können.

„Sie können stolz auf das Geschaffene sein“, bekannte die Ministerin. Ein lange beschwerlicher Weg mit Hindernissen, Sackgassen und Umwegen sei erfolgreich zu Ende gebracht worden. Sie nannte auch die aufgebrachten Finanzmittel: je acht Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium des Landes und vom Bund, dazu drei Millionen aus eigener Finanzierung des Fraunhofer ICT. Die Speicherung von elektrischer Energie in Redox-Flow-Großbatterien leite einen Sichtwechsel bei der Industrie ein. Sie sei kostengünstiger als bei herkömmlichen Systemen und von deutlich höherer Lebensdauer. Sie lobte die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft, vor allem die Zusammenarbeit mit Firmen in Baden-Württemberg, so auch beim „Herzstück“ der Anlage, den von der Fa. Schmalz entwickelten Stacks, den Wandlern. Dadurch würden auch Arbeitsplätze gesichert. Produktionsbereichsleiter Prof. Dr. Jens Tübke verwies, dass das ICT die Ersten weltweit gewesen seien, die in der Entwicklung kostengünstiger Produktionsverfahren für RFB-Stacks in industriellem Maßstab tätig wurden, und wünschte einen „dauerhaft sicheren Betrieb“. Er erklärte den technischen Hintergrund und die Arbeitsweise.

Der Energiespeicher, ein Vanadium-Elektrolyt, werde an einer Membran vorbeigeführt und durch eine Reduktions- und Oxidationsreaktion Spannung aufgebaut. Die Freisetzung der Energie erfolge dann durch eine umgekehrte Reaktion. 300 Tonnen Elektrolyt seien in die Anlage eingebracht, später durch weitere 60 t ergänzt worden. Weitere 121 t seien möglich. Begonnen wurde mit dem Aufbau des Windrades im Februar 2017 und der Installation des ersten Moduls der RFB. Die gesamte Anlage sei nicht nur ein Forschungsprojekt, sondern könne vollständig in Technologie umgesetzt werden. Die Bedeutung als Zulieferer von Komponenten für die RFB zeichnete Kurt Schmalz von der Fa. Schmalz in Glatten bei Freudenstadt nach. „Wir wollen einen Beitrag für diese zukunftsfähige Industrie leisten“. Er sehe darin eine Riesenchance für Baden-Württemberg und Deutschland, vor allem auch im Konkurrenzkampf mit asiatischen Ländern. Die erfolgte Koordination der elektrischen Komponenten auf der energetischen wie auf der Steuerungsseite zu einem Gesamtsystem beschrieb ein Vertreter des Firmenpartners Siemens Karlsruhe.

Projektleiter Dr. Peter Fischer skizzierte schließlich die weiteren Forschungsarbeiten. In einem internationalen Konsortium mit Forschungseinrichtungen, Firmen und Universitäten aus neun Nationen arbeite man an Flow-Batterien der nächsten Generation und Hochleistungssystemen.

Zusammen mit Kurt Schmalz, Jens Tübke und Peter Elsner vollzog Ministerin Hoffmeister-Kraut schließlich mit einem Schraubenschlüssel den Anschluss des Wandlers für die Redox-Flow-Batterie und nahm damit das Applikationszentrum in Betrieb. Auf einem Rundgang durch die Anlage wurden ihr auch noch die großen Tanks mit der Elektrolytflüssigkeit im Keller gezeigt, ehe sie schließlich einen Blick in das Innere des Windrades werfen konnte.

Text und Fotos: Karl-Heinz Wenz





Zurück