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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Di. 19.09.17 , gültig bis Mi. 27.09.17

Ein Blick in Pfinztals Geschichte - Die Weinbrennerkirche in Kleinsteinbach ist ein architektonischer Blickfang in Pfinztal

Am 14.09. vor 200 Jahren wurde Kleinsteinbacher Thomaskirche geweiht

Ähnlichkeiten mit der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe sind unverkennbar – keine Überraschung beim gleichen Baumeister. Friedrich Weinbrenner, der angesehene Architekt in der badischen Residenz, plante neben der Stadtkirche und weiteren klassizistischen Objekten in der Markgrafenstadt auch die Landkirchen in Langensteinbach, Wössingen und Kleinsteinbach. Die Thomaskirche des Pfinztal-Ortes wurde am 14. September vor 200 Jahren geweiht. Am gleichen Standort befand sich bereits die alte Thomaskirche, die in der Zeit von 1350 bis 1400 errichtet wurde, noch vom alten Friedhof umgeben war, Ende des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit aber abgerissen werden musste. Der Name der Kirche, einst und heute, leitet sich vom Schutzheiligen der Architekten und Zimmerleute, Thomas, ab. Von der alten Thomaskirche wurde als einziges Relikt der Taufstein gerettet, der aus dem Jahr 1609 datiert. Erste Pläne für eine neue Kirche entstanden im Jahr 1802. „Zunächst wurde der Turm abgebrochen und der Friedhof verlegt, dann erfolgte der Abbruch des Langhauses“, hielt Gemeindepfarrer Hermann Hoeckh in den Unterlagen fest. Die Entwürfe von Friedrich Weinbrenner arbeitete die Bauverwaltung im Amt Stein aus. Veranschlagt wurden Baukosten von 9.348 Gulden. Im September 1806 wurden die Baupläne genehmigt, 1807 mit dem Bau begonnen. Er musste jedoch 1808 bis 1810 eingestellt werden, weil Kriegsfolgen und Geldmangel dazu zwangen. Auf Regierungsbefehl mussten auch die Gemeinden Wilferdingen, Singen und Mutschelbach Fronfuhren leisten. Wegen des sumpfigen Untergrunds musste der Bau auf Eichen-roste gestellt werden. Die errechneten Baukosten waren inzwischen auf das Dreifache gestiegen. Erst 1814 konnte der Innenausbau erfolgen. „Trotz aller Großzügigkeit der Architektur war die Innenausstattung wegen fehlender Mittel zu kurz gekommen“, heißt es in den Annalen. „Das war besonders bei den Bänken auf der Männerempore zu spüren, die mit ihrem schmalen Sitzbrett und der senkrechten Rückenlehne das Sitzen zur Qual machte“. Unansehnlich und wohl auch nicht den Plänen Weinbrenners entsprechend war eine Bretterwand hinter Altar und Kruzifix als Abtrennung des Kirchenraumes zur geräumigen Turmnische. Bis 1817 verzögerte sich die Innenausstattung und Ausmalung, bis dann am 14.September 1817 die Weihe stattfinden konnte, bei der der Sakralbau als „ausgezeichnetes Bauwerk“ gewürdigt wurde. Der Kirchengemeinde wurde dazu vom Kloster Frauenalb die Michaelsglocke, die älteste Glocke des Landkreises, geschenkt. Zwei weitere Glocken wurden 1860 für das Dreiergeläut käuflich erworben. Die zwei während des 2. Weltkriegs beschlagnahmten Glocken wurden 1952 durch zwei neue ersetzt. Im Laufe des 20.- und auch bereits des 21. Jahrhunderts wurden in der Thomaskirche einige Veränderungen zum Erhalt der Substanz bzw. Verbesserung der Nutzbarkeit vorgenommen. 1938 wurde zur Gewinnung weiterer Sitzplätze (600 insgesamt) die Empore erweitert. 1952/53 wurde der neue Orgelprospekt an Stelle der Bretterwand „ideal für die Klangwirkung“ in die Mitte gesetzt. Die unbequemen Bänke wurden durch angenehmere ersetzt. Die Kanzel wurde aus der Mittelachse seitlich an die Empore gerückt. Eine neue Farbgestaltung, neue Lampen und Fenster gaben dem Innenraum mehr Würde. „Aus der verwahrlosten, schmutzigen Kirche ist ein Schmuckkästlein des Pfinztales geworden“, wurde damals festgehalten. Die Kirche erhielt außerdem ein elektrisches Geläute, eine Lautsprecheranlage und eine mit Öl befeuerte Warmluftheizung. Anfangs der 1980er-Jahre stürzte ein großes Stück der Decke im Kirchenraum herab, worauf die Kirche wegen Reparatur- und Renovierungsarbeiten für 32 Monate geschlossen werden musste. Gleichzeitig wurde auch am Haupteingang ein Windfang eingebaut und die Beleuchtung erneuert. Gesamtkosten von 820.000 D-Mark entstanden. 1999 wird die Thomaskirche außen nach Befunden in Originalfarben wesentlich verschönert. Letzte Großinvestition folgte schließlich in den Jahren 2015 bis 2017 im Innenbereich. „Ein Juwel der Region ist aufgewertet, das klassizistische Formgefühl noch wärmer geworden“, bekannte der Baudirektor von Vermögen und Bau bei der Wiedereinweihung am 15.Januar dieses Jahres, also gerade noch rechtzeitig zum 200. Geburtstag der Weihe. 900.000 Euro waren notwendig für eine neue, in den Altarraum verlegte Orgel, eine neue Heizungsanlage, Bodenversiegelung und neuverlegten Steinboden, Beseitigung von Bodenpodesten, Schaffung eines behindertengerechten Zugangs und von Sanitärräumen sowie den Einbau moderner Ton- und Beleuchtungstechnik.

Text und Foto Karl-Heinz Wenz





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