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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 22.02.17 , gültig bis Mi. 01.03.17

Pfinztaler Seniorenakademie: Roboter – Konkurrent oder Helfer des Menschen?

Seelenlose Maschine oder schon Mensch?

Mit diesem heißen, auch gesellschaftspolitisch wichtigen Thema befasste sich eine gut besuchte Vortragsveranstaltung der Seniorenakademie. Schon der informative Vorfilm zeigte an verblüffenden Beispielen auf, wie weit schon die künstliche Intelligenz der Roboter in unser Leben eingreift und welche Folgen sich daraus für Politik und Gesellschaft ergeben. Roboter setzen nicht nur menschliche Arbeitskraft frei, sie nehmen sogar, wie auf Filmaufnahmen zu sehen ist, menschliche Züge an. Professor Dr. Armin Grunwald, als Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung am KIT Karlsruhe, ein ausgewiesener Fachmann, sprach zu diesem Thema. Als Berater des Deutschen Bundestages und Mitglied der Ethikkommission steht er mitten in der Diskussion um die Realität und die um sich greifende mögliche Zukunft dieser modernen Technologie. Aus kleinen Anfängen kommt diese Entwicklung heute auf uns zu, wie die Welle eines Tsunami, so der Referent. Sie wirft sogar die Frage auf: Ist der Roboter der bessere Mensch? Prognosen wie in einem Spiegel-Artikel von 2013 „Das Superhirn“ nimmt frühere Ideen auf, das Gehirn durch Technik fortzuentwickeln, seine Fähigkeiten zu erweitern. Neuroingenieure reparieren kranke Gehirne wie Kfz-Mechaniker Autos. Extreme Visionen von einer Auflösung der Menschheit in eine technische Zivilisation, die sich selbst weiterentwickelt, eine Ära der Maschinenmenschen sind jedoch reine Fiktion, nach Meinung des Referenten nicht ernst zu nehmen. Wohl aber gibt es Schnittstellen zwischen Gehirn und Roboter, wie die Prothesensteuerung durch Nerven oder eines Rollstuhls mit den Augen. Auch bei Operationen werden heute schon Roboter eingesetzt. In der Industrie hat in den 1970/80er-Jahren der Roboter zu einer Automatisierung der Fertigung geführt. In den Fabrikationshallen sind immer weniger Menschen zu sehen. Heute geht es um eine autonome, also selbstständige Wechselwirkung des Roboters mit dem Menschen. Der Roboter wird zum „Fachkollegen“ oder gar ersetzt er ihn. Schon jetzt nehmen Roboter menschliche Tätigkeiten auf, sind selbstständig am Werk als Staubsauger, Rasenmäher, Küchenhilfe, Fensterputzer oder im autonom gesteuerten Auto und Flugzeug. Roboter können lernen, können sich selbst weiterentwickeln. Das kann, wie Professor Grunwald an Beispielen aufzeigte, gefährlich werden. Nach seiner Meinung muss die Entscheidungskompetenz durch den Menschen immer erhalten bleiben. Roboter können Menschen ersetzen aus Gründen der Sicherheit, der Kosten, der besseren Verfügbarkeit und dies als Handlanger, Begleiter, Assistent, bei gefährlichen oder mühsamen Tätigkeiten, auch als Spielkamerad. Sind Computer die besseren Menschen? Sie haben keine Launen, zeigen keine Ermüdung, wenn sie uns zur Hand gehen, uns überwachen, sich als Partner um uns kümmern. So finden wir sie als zuverlässige Service-Roboter in der Pflege, im Krankenhaus, in der Nachtschicht. Auch im Transportwesen, beim Botendienst oder der Wasserversorgung können sie gute Dienste leisten. Der autonom handelnde „Kollege Roboter“ ist in der modernen Industrie 4.0 dem Menschen schon zur zweiten Natur geworden, ein künstlicher Compagnon. Es ist eine Frage der Ambivalenz, wird die Robotertechnik den Menschen aufrüsten oder sich selbstständig, also autonom machen und dem Menschen damit immer näher kommen? Da gilt es wachsam zu sein. Noch steht der Mensch bei uns im Mittelpunkt und bestimmt das Handeln. „Einen Personalausweis für Roboter darf und wird es nicht geben“. Die Schnelligkeit des technischen Fortschritts und die Eingriffe in unser Leben zwingen .uns dazu, uns Gedanken über unser Menschsein zu machen und unser Verhältnis zum rasant zunehmenden Einsatz des Roboters in Produktion und Dienstleistung abzuwägen. Dazu gehört auch, sich den Folgen der Freisetzung menschlicher Arbeitskraft durch den Roboter zu stellen. So ist aktuell die Forderung nach einem staatlich bestimmten Grundeinkommen für alle Bürger zu verstehen und aktuell in Wahlprogrammen zu finden. Auch die Forderung, den Wettbewerbsnachteil des Menschen gegenüber dem Roboter diesen nach seiner Wertschöpfung zu besteuern, ist in solchem Zusammenhang zu sehen. Die menschliche Arbeitskraft wird hoch besteuert, ihr Ersatz durch den Roboter dagegen nicht. Das wird zunehmend als ungerecht empfunden. Es gibt also noch eine große Bandbreite an Fragen und Forderungen, die mit dem rasanten Siegeszug des Roboters in unsere Lebenswelt aufgeworfen sind. Der Vortrag von Professor Dr. Grunwald hat zweifellos zur Klärung dieses Sachverhalts beigetragen,

Text: Christian Mittelstraß, Foto: Matthes





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