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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 14.12.16 , gültig bis Mi. 21.12.16

Vortragsreihe der Seniorenakademie Pfinztal: Universale Werte im Vorteil?

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz

Verhältnis von Kultur und Politik in China und im Westen verglichen

Die Vortragsreihe der Seniorenakademie Pfinztal greift sehr unterschiedliche Themen medizinischer, gesellschaftlicher oder geschichtlich-politischer Natur auf und lebt stark von den jeweiligen qualifizierten Referenten. Beim aktuellen Dezember-Termin stand das Verhältnis von Kultur und Politik in der Volksrepublik China und „im Westen“ auf der Tagesordnung und hatte mit Dr. Gregor Paul, Professor für Philosophie am KIT Karlsruhe und Präsident der Deutschen China-Gesellschaft einen Experten auf diesem Gebiet als Vortragenden. Der Leiter der Seniorenakademie, Pfarrer i.R. August Becker, eröffnete die Veranstaltung. Becker leitete die Thematik mit einer Filmsequenz ein, die besonders die unterschiedlichen Gesichter Chinas „zwischen Mao und Moderne“ herausstellte. Dabei wurden die westlichen Gepflogenheiten zugeneigten jungen Menschen mit dem Wunsch, durch Reisen die Welt kennenzulernen, dem großen Bildungs- und Lebensgefälle zwischen Stadt und Land, dem kommerzialisierten und von der Politik argwöhnisch betrachteten Kunstbetrieb oder dem auch bei der neuen Führung gepflegten Personenkult gegenübergestellt. Zur Sprache kam auch der Gegensatz zwischen Versprechen und Wirklichkeit in Fragen der Rechtsstaatlichkeit. Erzwungene Geständnisse, Fehlurteile oder Folterpraxis gehörten immer noch zum Alltag. Prof. Paul sprach von einer engen Beziehung zwischen Kultur und Politik bei uns im Westen. Quer durch verschiedene Kulturen und Zeiten finde man Verbindungen. Er erinnerte an die besondere Situation in Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, in Afghanistan oder bei den Taliban und dem IS. Ferner wurde auf ein spezielles Kulturverständnis in Konzepten mit rassistischen Ansichten wie der nationalsozialistischen Ideologie oder der japanischen Tennoideologie verwiesen. Das Unterdrücken, Beherrschen anderer Völker wurde daraus abgeleitet. In solchen Systemen wurde durch diese „Überlegenheitskultur“ Macht gerechtfertigt. G. Paul stellte auch fest, in China gebe es religiös bedingte Gewalt viel weniger als in anderen Teilen der Welt, da religiöse stets staatlicher Macht unterworfen sei. Die heutige chinesische Kultur speise sich aus einer Reihe philosophischer, religiöser und weltanschaulicher Traditionen. Wenn in Maos Kulturrevolution die jahrtausendealte Kulturtradition und ihr konfuzianischer Kern in Frage gestellt und bekämpft wurde, so könne heute von einem Ideologie-Mix im Staatswesen aus Marxismus, Konfuzianismus und dem Harmonieprinzip gesprochen werden. Dabei seien aber Widersprüche auffällig. Blinde Zustimmung lehne Konfuzius ab; er plädiere für Kritik. Die Menschenrechtsproblematik bleibe ein deutlicher Kritikpunkt an der chinesischen Politik. Gefährlich sei aber ein ausschließlich eurozentrischer Blick auf die Werte in China. Prinzip der chinesischen Politik sei eine strikte Ablehnung der Eimischung in ihre Politik von außen; es gelte eine strenge staatliche Selbstbestimmung. In erster Linie gehe es um die Wahrung des Einparteiensystems. Ein Mehrparteiensystem und Gewaltenteilung werde abgelehnt; der Gegensatz zum Pluralismus im Westen bleibe deutlich. Paul geißelte aber auch widersprüchliches Handeln westlicher Politik, das sich auf allgemein gültige ethische Normen stützen sollte, aber oft auch mit zweierlei Maß messe. Als Beispiele nannte er Waffenlieferungen in theokratische Staaten oder auch die Mitverantwortlichkeit deutscher Politik für großes menschliches Leid in den Kriegen der letzten Jahre. Zusammenfassend stellte der Referent für sich selbst die Überlegenheit universaler Werte gegenüber denen der chinesischen Kultur und des Westens heraus.





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