Gemeinde Pfinztal · Hauptstr. 70 · D-76327 Pfinztal · Tel. 07240 62-0 · Fax 07240 62-199 · info@pfinztal.de · www.pfinztal.de

A+   Vollversion   Light-Version   Hilfe


Branchenverzeichnis Pfinztal

Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 23.11.16 , gültig bis Mi. 30.11.16

Seniorenakademie: Flüchtlinge und Integrationsproblematik Thema in Seniorenakademie

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz

Ein landauf, landab Diskussionen und Emotionen auslösendes Thema stand bei der jüngsten Veranstaltung in der Vortragsreihe der Seniorenakademie Pfinztal auf der Tagesordnung: „Herausforderungen der Integration im Lichte des Flüchtlingszuzugs 2015“. Als Experte in Sachen Integrationsforschung wurde hierzu Dr. Andreas M. Wüst, Politikwissenschaftler und External Fellow am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, seit 2011 auch am Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg tätig, gewonnen. Wie immer führte eine vom Leiter August Becker zusammengestellte Filmsequenz in die Thematik ein. Hierzu gehörte die nach Öffnung der Grenzen einströmende Zahl von einer Million Menschen und die Reaktionen der einheimischen Bevölkerung, die problematische Verhetzung in manchen Moscheen, die lange Bearbeitungszeit der Asylanträge und die Bedeutung sprachlicher Kontakte und Begegnungen als Lebenselixier des Integrationsprozesses. Dr. Wüst referierte in erster Linie in seiner Rolle als Wissenschaftler und Forscher. Einleitend erwähnte er, dass im Frühjahr 2016 83 % der Bevölkerung Migration/Integration als wichtigstes Problem und größte Herausforderung in Deutschland benannten. Seit den 50er-/60er-Jahren habe Deutschland positive Migrationssalden, angefangen mit der Arbeitsmigration bis zum Anwerbungsstopp in den 70er-Jahren, mit dem Spätaus-siedler-/Übersiedler-Zuzug in den 80er-Jahren, Zuzügen in den 90er-Jahren vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien, dann erwünschte Zuzüge aus Südeuropa nach Engpässen auf dem Arbeitsmarkt, bis hin zu der Asylmigration mit Höhepunkt im Jahr 2015. Die Asylmigration brachte und bringe spezielle Herausforderungen, so durch einen hohen Traumatisierungs-grad des eingetroffenen Personen-kreises, der Herkunft aus Regionen mit geringer Vertrautheit bei den Deutschen, durch einen sehr hohen Anteil an Muslimen, einem Übergewicht an Männern, vielen unbegleiteten Jugendlichen und wenig Älteren, sehr unterschiedlicher Schulbildung mit geringen Werten bei vielen Frauen. Integration erfordere, gewisse Normen und Werte oder ein bestimmtes Maß an Pluralismus zu akzeptieren, gegenübergestellt aber auch gleich-berechtigte Teilhabe mit Diskriminierungsfreiheit geboten zu bekommen. Wenn Letzteres nicht der Fall sei, führe es zur Segregation. Integration sei sicher nicht konflikt-frei; Konflikte müssten ausgetragen und nach Lösungen gesucht werden. Sie brauche auch Zeit, in der Regel gelinge sie erst in der dritten Generation. Bei Verstößen sollte auf der Grundlage unseres Rechts und unserer Werte entgegengetreten werden; Zivilcourage sei dringend geboten. Das Abwerten von Christen oder Muslimen sei nicht akzeptabel. Wo stehen wir mit Integration in Deutschland, fragte Dr. Wüst. Das Monotoring zeige viele Fortschritte, aber auch Defizite. Probleme gebe es beim Zugang und Status auf dem Arbeitsmarkt, die stark abhängig von Sprache, Bildung, Qualifikation und Anerkennung seien. Nur leichte Fort-schritte gebe es bei der interkulturellen Öffnung. Vielfalt werde von den Deutschen mehrheitlich begrüßt, „aber ohne Muslime“. Diese werden als Problem charakterisiert. Der Islam werde von der Hälfte der Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen. Der Referent fasste schließlich Integrationsleitziele zusammen: Einwanderung als Normalfall begreifen, Notwendigkeit eines klaren Einwanderungskonzepts, Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe, Integration in Vielfalt mit Versachlichung, Dialog und Festlegen gemeinsamer Werte. „Wir helfen euch“ beinhalte zum Beispiel Traumatherapie, frühkindliche Bildung, duale Ausbildung auch für Ältere, schnellere Zugänge zum Arbeitsmarkt. „Wir brauchen euch“ bedeute, die Bevölkerung mit und ohne Migrationshinter-grund brauche das Gefühl „Wir gehören zusammen, die Migranten sind eine, auch der Alterspyramide geschuldet, Bereicherung“. Bei der Diskussion kamen mehrere weitere Aspekte wie der Familien-nachzug, die Notwendigkeit, vieles in der Welt zur Verringerung des Migrationsdrucks zu verändern, die schon umfangreichen Integrations-hilfen in der Gemeinde Pfinztal oder auch die zunehmende Gefahr, dass gewisse deutsche Bevölkerungskreise „sich abgehängt fühlen“.





Zurück