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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Di. 24.05.16 , gültig bis Mi. 01.06.16

Kinder, die gerne zur Schule gehen – Elternsprechtag der GU

Foto: Walter L. Brähler

'Die Kinder machen enorme Fortschritte', das war von den Lehrerinnen der Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder in der Schlossgartenschule immer wieder zu hören beim ersten Elternsprechtag in der Gemeinschaftsunterkunft Berghausen (GU) am 4. Mai. Mütter von Schülern der Deutsch-Vorbereitungsklassen in der Schlossgartenschule trafen sich mit den Lehrerinnen Alina Sickinger und Sabine Dannebauer. Es wurde ein lebhafter und überfälliger Gedankenaustausch. Die Idee zum Elterngespräch entstand bei einem Treffen der Lehreinnen mit Dagmar Elsenbusch von der Flüchtlingshilfe Pfinztal, Frau Zeise, Sozialarbeiterin an der GU. Yolla Issa aus Berghausen dolmetschte. Nach nur wenigen Monaten Unterricht können sich die meisten Kinder schon in kompletten Sätzen auf Deutsch ausdrücken und um die Integration zu fördern geht jeder Schüler täglich 1-2 Stunden in die Regelklassen. Die Flüchtlingskinder gehen gerne zur Schule, sie freuen sich geradezu darauf, berichteten die beiden Lehrerinnen. Sie seien ausgesprochen wissbegierig, aber es sei auch Geduld mit ihnen notwendig angesichts der kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und ihren Herkunftsländern. Und, augenzwinkernd gemeint, die wichtigste Aufforderung, die sie gelegentlich an Schüler richten müssten, sei: 'keine Diskussion'. Anders ausgedrückt: Mancher Schüler muss sich an die hier geltenden Regeln und Abläufe erst noch gewöhnen und kann sie bei Bedarf nicht neu aushandeln. Probleme, die nur gemeinsam mit den Eltern zu lösen sind. So sollten die Eltern mehr darauf achten, dass ihre Kinder pünktlich zum Unterricht kommen. Das gelte auch für den anstehenden Ramadan, den muslimischen Fastenmonat. Während Muslime in dieser Zeit tagsüber nichts essen und trinken, sollten wenigstens die Kinder bis 12 Jahre auch während des Ramadan ihr Frühstück mitbringen dürfen, sonst hielten sie den Unterricht nicht durch. Allerdings sei das mitgebrachte Frühstück manchmal wenig gesund: viel Zuckerhaltiges, vor allem Softdrinks aller Art. Die Empfehlung der beiden Lehrerinnen: Keine abgepackten Frühstückschnitten, lieber ein selbstgemachtes Müsli, Obst oder Vollkornbrot. Diese Hinweise sollen aber nicht den Gesamteindruck von den Schülern schmälern, denn die wären sehr darauf bedacht, dem Unterricht zu folgen. Was den Lehrerinnen aber auch aufgefallen ist: Immer wieder kämen manche müde in die Schule. Die Lehrerinnen empfahlen für die jüngeren Kinder 20 Uhr als Schlafenszeit, damit sie 10-11 Stunden Ruhe haben. Ein Problem, das schwer zu lösen ist, denn die Familien leben oft mit bis zu sieben Personen in einem einzigen Raum und wer kann es den Erwachsenen verdenken, dass sie da noch nicht ins Bett gehen. Insgesamt sei mehr Struktur im Tagesablauf wichtig für die Kinder. Besonders ausführlich wurde über das Verhalten bei Streitigkeiten gesprochen. Liegt es an traumatischen Erfahrungen bei der Flucht oder sind es Unterschiede im sozialen Umgang, manche Schüler sind schnell gereizt und müssen angehalten werden, Streit grundsätzlich verbal und versöhnlich auszutragen. In diesem Zusammenhang wurden auch Unterschiede beim Thema 'Gewaltfreie Erziehung' deutlich. Manche Eltern waren erstaunt, als sie erfuhren, dass man seine Kinder in Deutschland nicht schlagen darf. Des Weiteren wurde auf die Wichtigkeit der Teilnahme der Kinder an außerschulischen Aktivitäten hingewiesen, zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder andere integrative Maßnahmen, etwa über das Kinder- und Jugendhaus. So bekamen die Eltern an diesem Abend einiges mit auf den Weg, aber auch die Lehrerinnen erfuhren viel über die konkreten Lebensumstände der Flüchtlinge in Pfinztal. Bei allen angesprochenen Problemen im Schulalltag, Frau Sickinger und Frau Dannebauer ließen keinen Zweifen daran, mit wie vielen Erfolgserlebnissen sie die Flüchtlingskinder unterrichten und wie viel Mühe sich die Schülerinnen und Schüler geben, um Deutsch zu lernen und heimisch zu werden in Pfinztal. Hierbei ist auch die Unterstützung der Ehrenamtlichen in der Schule hervorzuheben, die bei der Bewältigung der extremen Heterogenität der Klasse eine wichtige Rolle spielen.





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