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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Musik/Kunst/Kultur | Mitteilung vom Mi. 11.11.15 , gültig bis Mi. 18.11.15

Großes Interesse an der Geschichte des „Hammerwerks“

Heimatkunde haftet Abenteuer mit großer Identifikation an

Geschichte und Bedeutung des „Hammerwerks“, wie der Volksmund die inzwischen verschwundene Betriebsstätte mit über 200-jähriger Geschichte am Ortseingang von Kleinsteinbach nannte, weckten ein großes Publikumsinteresse. Der Platz im Bürgerhaus in Söllingen reichte nicht aus, als Referent Karl-Heinz Essig auf Initiative von Gemeindeverwaltung und Heimatverein Pfinztal in Wort und Bild berichtete. Am 2. Dezember wird es deshalb eine Wiederholung geben.

Den Erläuterungen war zu entnehmen, dass bereits um 1770 von einem Wasserhammerwerk berichtet wurde, im 19. Jahrhundert dann von einer Gießerei sowie einer Draht- und Nagelzieherei. Die Fabrikationsmöglichkeit an Flüsschen, Bahnlinie und Überlandstraße machten sich ab 1928 die Gründer der Badischen Wolframerz-Gesellschaft zu nutze. Die notwendige elektrische Energie lieferte das neu fertiggestellte Schluchsee-Kraftwerk im südlichen Schwarzwald.

Vor 53 Jahren schrieb Karl-Heinz Essig während seiner fünfjährigen Zugehörigkeit als Betriebswirt beim „Hammerwerk“ einen Bericht in den „Krupp Mitteilungen“, dessen Einleitung mit „Keine Atomwolke ist es, wenn der Reisende des Schnellzugs von München nach Karlsruhe wenige Minuten nachdem die Vorberge des Schwarzwald passiert sind, die Landschaft in einen grau-bläulichen Dunst eingehüllt sieht“, beginnt. „Es ist die Badische Wolframerz-Gesellschaft in Söllingen, das Elektroschmelzwerk für Ferrolegierungen im Krupp-Konzern mit 360 Mitarbeitern.“

Das benötigte Erz kam aus Russland, der Türkei und Südafrika, später auch aus China, Bolivien und Südamerika. Der Stromverbrauch lag pro Jahr bei 180 Millionen Kilowatt. Bei den Kosten verursachte das Personal gerade einmal acht Prozent, dagegen der Strom 20 und der Rohstoff Erz 50 Prozent. Im Labor arbeiteten bis zu 15 Fachkräfte. Enorm war die Staubentwicklung in der Produktion. Unvergessen ist Karl-Heinz Essig der Besuch von Berthold Beitz und Arnd von Bohlen und Halbach im Pfinztal. Waren Erträge und Betriebsergebnisse des „Hammerwerks“ 1960 noch hervorragend, kam Mitte der 60er-Jahre der Einbruch durch Dumping-Preise ausländischer Mittbewerber. Die Devise musste deshalb lauten: „Kosten einsparen, aber nicht nur beim Personal“. Es kam wie es kommen musste, so Essig nüchtern. Trotz Abbau der Belegschaft um über ein Drittel bei gleichzeitiger Verdoppelung des Ausstoßes blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. 1973 war Schluss und das Hammerwerk ereilte das Schicksal wie viele namhafte Betriebe in der Region auch.

Ein 15-minütiger Schwarz-Weiß-Werksfilm aus dem Archiv von Karl-Heinz Essig zeigte eindrucksvoll den Tagesablauf im Hammerwerk in jener Zeit, aber auch den Luftangriff von 1940 auf eine bedeutende Produktionsstätte im Dritten Reich.





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