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Branchenverzeichnis Pfinztal

Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 08.04.15 , gültig bis Mi. 15.04.15

Aus „Lebensader Pfinz(?)“ soll „Lebensader Pfinz(!)“ werden

Es gab gewiss Zeiten, da war die Pfinz ein wichtiger Verkehrsweg, der die notwendige Versorgung der Menschen an seinen Ufern mit garantierte. Heute ist das Flüsschen in Bezug auf Naturhaushalt, Pflanzen- und insbesondere Tierwelt in den Fokus gerückt. Auf ihren 60 Kilometern vom Quellgebiet zwischen Langenalb und Ittersbach bis zur Mündung in den Rheinniederungskanal beziehungsweise den Rußheimer Altrhein umfasst das Einzugsgebiet ihrer Zuflüsse 450 Quadratkilometer. Das Durchschnittsgefälle liegt bei vier Millimeter pro Flussmeter.

Der mit „Lebensader Pfinz(?)“ überschriebene Bildervortrag der BUND-Ortsgruppe Pfinztal wollte, mit dem Fragezeichen dargestellt, aufzeigen, inwieweit die Bezeichnung „Lebensader“ noch zutreffend ist. Gemeinsam mit vielen Interessierten aus Dörfern entlang des unteren Pfinztals erkundeten Marianne und Klaus-Helimar Rahn das Gewässer erster Ordnung, wie es sich heute darstellt. Entlang des „Bachs“, wie die Pfinz von Einheimischen kurz genannt wird, findet man typische Uferpflanzen nur noch verstreut und in kleinen Beständen. Auch bei der Tierwelt, insbesondere den Fischen, ist die Artenzahl nur noch sehr gering. Die Lebensader-Funktion der Pfinz für Fauna und Flora ist offensichtlich durch die erfolgten menschlichen Eingriffe nur noch bruchstückhaft vorhanden, an manchen Abschnitten auch ganz zerstört. Eine europäische Wasserrahmenrichtlinie hat den guten Zustand der Gewässer zum Ziel. In Baden-Württemberg wurden deshalb Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme aufgestellt. Im Zuge dieser Rahmenpläne sollen einzelne Maßnahmen konkretisiert werden. Für die Pfinz bedeutet dies, dass sie fast von der Quelle bis zur Mündung hin renaturierungsbedürftig ist. Im ersten Planungszeitraum – bis 2015 – sind 13 Maßnahmen von den zuständigen Stellen vom Quellbereich bis nach Grötzingen vorgesehen. Im Bereich Söllingen bereits gemacht ist der Bau einer neuen Fischtreppe am Wehr Walther. An der Gemarkungsgrenze zu Berghausen liegt die Schnellermühle. Die dort vorhandene Fischtreppe ist nicht mehr funktionstüchtig weil zu steil und zu wenig Wasser führend. Ein Umbau an Ort und Stelle ist nicht machbar, sagte Marianne Rahn. Jetzt deutet die noch im Februar erfolgte Rodung mehrerer Baumgruppen auf der Südseite der Pfinz den Platz des neuen Fischaufstiegs an, der einen Höhenunterschied von 4,90 Meter überwinden muss. Die Kosten liegen bei 390 000 Euro, die Fertigstellung noch in diesem Jahr. Ebenfalls in diesem Jahr vorgesehen ist die Renaturierung des regulierten Pfinzabschnitts abwärts der Schnellermühle bis hin zu den „kleinen Stromschnellen“ nahe der Friedensbrücke. Vorgesehen sind Verschwenkungen der Uferlinie, Einbau von Mittelinseln, Schaffung von Tiefrinnen, Entfernung von Ufersicherungen, Aufschüttung von Bermen (Uferstufen, die bei höherem Wasserstand überflutet werden), Einbringen von Lenksteinen und von Totholzstruktur. Man sei auf einem guten Weg, der Pfinz nach und nach ihre Natürlichkeit und ihre natürlichen Funktionen zurückzugeben. Es bleibt aber noch viel zu tun, bis dies durchgängig umgesetzt ist und man dann in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder von der Lebensader Pfinz – mit Ausrufungszeichen statt Fragezeichen – sprechen kann, resümieren Klaus-Helimar und Marianne Rahn.





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