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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 18.03.15 , gültig bis Mi. 25.03.15

Vortragsveranstaltung bei der Pfinztaler Seniorenakademie

Das Böse in der Welt und in uns: woher kommt es - was kann man dagegen tun?

Diese Frage beschäftigt uns ständig, wir brauchen nur die Zeitung aufschlagen oder Radio und Fernseher einschalten. So hat sich auch die Seniorenakademie in ihrer ersten Vortragsveranstaltung im Monat März diesem Thema gestellt. Ein Vorfilm zeigte auf, wie die Wissenschaft mittels Hirnforschung versucht, dem kriminellen Verhalten von Menschen auf die Spur zu kommen. Danach ist Gewaltbereitschaft nur zu einem Drittel genetisch bedingt. Viel entscheidender ist die frühkindliche Prägung durch schlimme, traumatische Erlebnisse. Sie hat beispielsweise das grausame Verhalten von Kindersoldaten zur Folge. Dies erklärt jedoch nicht die „Banalität des Bösen', wie es die Schriftstellerin Hannah Arendt in ihrem Bericht über den Eichmann-Prozess schildert. Sie weist darin auf die Tatsache hin, dass die Täter des Holocaust meist aus normalen, gut bürgerlichen Familien stammen. Hier schaltet sich der Referent Professor Dr. Manfred Oeming ein. Der Heidelberger Theologe nennt in seinem Vortrag viele Ursachen, die Menschen mehr oder weniger zu bösem Verhalten verleiten. Es können theologische Verfehlungen sein, Widersprüche gegen Regeln und Pflichten, das Gefühl des Mangels an Nahrung, Geld, Ansehen oder Befriedigung, die Ausgrenzungen von .Menschen oder Gruppen bis zur Lust zu Hass und bösem Tun. Auch aus guter Absicht kann Böses entstehen. Die Atomforschung ist dafür ein Beispiel. Die daraus resultierende Bombe hat jedoch ein Mensch, der US Präsident befohlen. Aus böser Absicht? Entscheidend für unser Tun und Verhalten ist es, immer die Folgen zu bedenken. Denn „das Böse ist immer und überall da', wie es in einem bekannten Lied heißt. Der Mensch steckt noch als unvollkommenes Wesen mitten in der Evolution, der Entwicklunqsqeschichte der Natur. Nach Professor Oeming ist er „mehr Tier als er glaubt'. Tierisches Verhalten ist in uns gegenwärtig- und evolutionär angelegt. Ein ethisches, das Böse im Menschen unterdrückendes Verhalten, muss durch Erziehung und Bildung bestimmt, insbesondere durch Herzensbildung gefördert werden. Hier kommt die Religion zum Tragen.

Nach der Bibel ist der Ursprung des Bösen die Entfernung von Gott, die Rebellion gegen Gott. Ein Grundthema in der Bibel ist der Zwiespalt zwischen Gut und Böse, letzteres im Neuen Testament personalisiert durch Satan, den Teufel. Im Alten Testament ist die Schlange von Anfang an gegenwärtig im Paradies. Sie führt Eva in Versuchung. Der Mensch will sein wie Gott. Das Streben des Menschen ist böse von Jugend an, so die Bibel. Die Wissenschaft, Hirnforscher und Psychologen stoßen bei ihren Erklärungsversuchen an ihre Grenzen. Das Böse ist im Menschen und überall zu finden. Es bleibt ein Geheimnis Gottes. Gott kann Böses benutzen, um Gutes zu bewirken. Beispiel die Josephsgeschichte im Alten Testament, gewagt gesagt und auf lange Sicht gesehen vielleicht auch der Holocaust, so Professor Oeming. Die Erfahrung mit der Ohnmacht gegenüber dem allgegenwärtigem Bösen, mit dem Bösen in uns und in jedem Menschen, sollte zur Toleranz im Umgang damit führen. Der Theologe sagt, mit Christus ist eine heilsgeschichtliche Wende geschehen, Nächstenliebe, Gottvertrauen und das Prinzip Hoffnung haben einen hohen Stellenwert erfahren. Die lebhafte, von manchen Zuhörern als zu kurz empfundene Diskussion, konnte nicht alle Fragen zum Rätsel und zu der Vielschichtigkeit des Bösen in der Welt mehr aufhellen oder klären. Auf jeden Fall boten Film und Vortrag Anregung zum Nachdenken und besseren Verstehen mancher Vorgänge im nahen und weiten Bereich.

Text: Christian Mittelstraß
Foto: Matthes





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