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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Di. 03.02.15 , gültig bis Mi. 11.02.15

Preis der Ludwig-Marum-Stiftung vergeben

Helfende Hände statt Hassparolen

Flüchtlings-Helferkreis Grötzingen erhält den Preis der Ludwig-Marum-Stiftung

So viele Zuhörer waren am 26. Januar in den Selmnitzsaal in Pfinztal gekommen, dass die Sitzplätze längst nicht ausreichten - verdiente Anerkennung für den Flüchtlings-Helferkreis Grötzingen, der an diesem Abend mit dem Preis der Ludwig-Marum-Stiftung ausgezeichnet wurde. Angesichts der Arbeit der Gruppe war es nur folgerichtig, dass sich das Bild der „helfenden Hand“ fast durch alle Reden des Abends zog. Die Grötzinger Gruppe versucht, den Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten den Start und den Alltag in Deutschland positiv zu gestalten, indem beispielsweise die Notunterkunft in der Greschbachstraße wohnlich gemacht, Kinderbetreuung, Deutschkurse und Beratungen organisiert wurden. Die Schulleiterin des Ludwig-Marum-Gymnasiums, Elke Engelmann, erzählte in ihrer Begrüßungsansprache vom Schicksal ihrer eigenen Familie in Rumänien, von der Zwangsarbeit der Großmutter in der Sowjetunion und von der späteren Ausreise der Familie nach Deutschland. Und sie betonte, dass rückblickend nie das Leid im Vordergrund gestanden habe, sondern immer die helfenden Hände, die das Überleben sicherten.

Anhand von Begriffen wie „Überfremdung“, „ausländerfrei“ oder „Lügenpresse“, die alle zu verschiedenen Zeiten „Unworte des Jahres“ waren, mahnte Dankwart von Loeper vom Menschenrechtszentrum Karlsruhe in seiner Gedenkrede für die Opfer des Nationalsozialismus: “Unworte bereiten Untaten den Boden.“ Die Themen, mit denen sich Ludwig Marum auseinandersetzen musste, seien heute wieder erschreckend aktuell, Wachsamkeit, Offenheit und Einsatz für die Menschenrechte heute ebenso nötig wie damals. Durch ihr Hinsehen und Handeln, so von Loeper, hätten die Preisträger die beste Antwort auf Rassismus und Hassparolen gegeben.

Dem schloss sich Pfarrer Eckhart Marggraf in seiner Laudatio an. Die Grötzinger Flüchtlingshelfer mit Ortsvorsteherin Karen Eßrich, Christel Volz, Dr. Rosemarie Radjai, Borghild Wicke-Schuldt, Beate Ebendt und vielen weitere hätten „das Naheliegende, das Selbstverständlichste getan“ und soziale Großzügigkeit bewiesen. Ganz in diesem Sinne wollen die Ausgezeichneten das Preisgeld für die Flüchtlingsfamilien verwenden. Sie luden alle Interessierten ein, sich vor Ort über die Arbeit des Helferkreises zu informieren.

Die Anerkennung der Stiftung erhielt in diesem Jahr der „World“-Ausschuss der SMV des Ludwig-Marum-Gymnasiums. Die 15 Schülerinnen und Schüler haben im Lauf des vergangenen Jahres eine Vielzahl von Projekten verwirklicht, so etwa den Ludwig-Marum-Tag mitorganisiert, in der Woche vor der Preisverleihung auf das Schicksal von Flüchtlingen in aller Welt aufmerksam gemacht und einen Abend über Bangladesh gestaltet. „Ihr seid der Motor des sozialen und politischen Engagements an unserer Schule“, sagte Laudatorin Christiane Vierthaler und verband dies mit der Hoffnung, dass sich viele jüngere Schüler von der Initiative dieser Gruppe anstecken lassen.

Ludwig Marum:

  • 1882 Geboren am 05.11. in Frankenthal/Pfalz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns
  • 1907 Eintritt in Sozialdemokratische Partei Deutschlands
  • 1908 Niederlassung als Rechtsanwalt in Karlsruhe
  • 1914 Abgeordneter im Landtag
  • 1918 Badischer Justizminister in der ersten provisorischen Regierung
  • 1919 - 1928 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Badischen Landtag
  • 1928 – 1933 Reichstagsabgeordneter der SPD

Verhaftung am 10. März durch die Nazis (zusammen mit anderen SPD-Politikern) Überführung in das Konzentrationslager in Kislau bei Bruchsal am 16. Mai

1934 Ludwig Marum wird in der Nacht vom 28./29. März von Nazi-Mördern stranguliert und am Fensterkreuz seiner Zelle aufgehängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen.





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