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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mo. 29.09.14 , gültig bis Mi. 08.10.14

Hüft- und Knieprobleme im Fokus

Wie lange konservativ behandeln, wann operieren?

Wieder ein volles Haus bei der Auftaktveranstaltung der Seniorenakademie! Das Thema der ersten Veranstaltung der Vortragsreihe mit Medien 2014/15 lockte viele Senioren an. Mit dem Referenten Professor Dr. Peter Schuler, Orthopädische Klinik der St. Vincentius Kliniken Karlsruhe, berichtete ein hervorragender Fachmann über die bei den Senioren nur allzu bekannten Gelenkschmerzen. Unterstützt durch einen einführenden Vorfilm und laufende Bildprojektion konnte Schuler in verständlicher Form die angesprochene Problematik erklären und Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen, konventionell oder operativ. Dazu muss man wissen, wie ein Körpergelenk aufgebaut ist. Entscheidend dabei ist die den bewegenden Knochen an seinem Ende überziehende Knorpelschicht. Sie dient bei der enormen Last auf das Gelenk als Puffer. Obwohl deren oberste harte Schicht von Geburt an stark belastbar ist, unterliegt auch sie dem jahrelangen Verschleiß durch Abrieb bis zur völligen Abnutzung, was zu Schmerzen im Knochen und in der Gelenkkapsel führt. Letztere produziert die Gelenkflüssigkeit, sozusagen die „Gelenkschmiere“, und versorgt damit außerdem den Knorpel. Denn dieser hat keine eigenen Blutgefäße, kann sich also nicht selbst ernähren und regenerieren. Beschädigter Knorpel heilt nicht, es gibt keine Knorpelaufbautherapie. Wenn Gelenkschmerzen als Zeichen starker Abnutzung auftauchen, dann gibt es nur die Möglichkeit, den Krankheitsverlauf zu verzögern durch Verbessern der Gelenkfunktion. Das kann konservativ geschehen mit orthopädischen Hilfsmitteln wie Einlagen, Gehstützen oder Rollator, durch Physiotherapie zur Muskelkräftigung und Mobilisierung, durch Gewichtsreduzierung und Vermeiden von Überlastung. Auch Medikamente wie Schmerzmittel können Linderung bringen, wobei auf Nebenwirkungen zu achten ist. Von den oft teuer angebotenen rezeptfreien Nahrungsergänzungs- und angeblichen Heilmitteln wie Vitamin B, Magnesium, Glucosamin, Hyaluronsäure hält Professor Schuler nichts. Auch die Röntgenstrahlentherapie ist nicht mehr Stand der Behandlung. Nach Vorbehandlungen wie Achsbegradigung, Kreuzbandstabilisierung, Beheben von Meniskusschäden, Knorpelglättung bleibt nur eine Gelenkversteifung oder der operative Ersatz des kranken durch ein künstliches Gelenk, eine Endoprothese. In Deutschland sind das im Jahr 211 000 Hüft - und 156 000 Kniegelenke. Als Werkstoffe kommen biotolerante Kunststoffe, Metalle wie Titan oder Keramik in Frage. Professor Schuler zeigt ihre jeweiligen Vor- und Nachteile auf und demonstriert beispielhaft den idealen Gleitpartner aus Knochenzement aus Polyethylenkunststoff, mit einem Kunststoffkleber, wie Pattex, zusammengerührt. Das neue Gelenk, zementfrei oder zementiert 10 cm im Knochen verankert, muss sicher sein gegen Lockerung, Bruch oder Verschleiß und dazu sofort belastbar. Skeptisch äußert sich der erfahrene Operateur gegenüber einer computergestützten Chirurgie, wohl aber für eine Computernavigation bei der Operation. Eine lebhafte Diskussion folgte den Ausführungen von Professor Schuler. Das ist kein Wunder, denn 70 % der über 70-Jährigen sind, wie er sagte, von Arthrose, dem schmerzhaften Reizzustand im Gelenk, geplagt. Das war also ein ausgesprochenes Seniorenthema und der Referent dazu ein ausgesuchter Fachmann.

Text: Christian Mittelstraß, Foto: Matthes





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