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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 09.07.14 , gültig bis Mi. 16.07.14

Ein König, drei Päpste und viele Prostituierte

Weltereignis am Bodensee

Ob mit Bus, Bahn oder Auto – Konstanz ist immer eine Reise wert, auch für 22 Geschichtsinteressierte der Seniorenakademie. Konstanz - da ist einmal die eindrucksvolle Lage am See mit der weithin sichtbaren Gestalt der bis heute umstrittenen Imperia, einer zu ihrer Zeit bekannten Kurtisane, in deren Händen Kaiser und Papst wie verführbare Leichtgewichte wirken. Vor allem aber ist Konstanz eine geschichtsträchtige Stadt, mit einer vom Krieg verschonten Altstadt, die mit ihren zahlreich bebilderten Gebäuden mittelalterliches Flair vermittelt. Verschont im Krieg, indem man zusammen mit den benachbarten Schweizern in der Nacht die Stadt hell erleuchtete, so dass die Bomberpiloten die genaue Grenze nicht ausmachen konnten. Vor 600 Jahren freilich hatten die Konstanzer Bürger ganz andere Sorgen. Sigismund von Lothringen, seit 1411 römisch-deutscher König, wünschte sich eine geeinte Christenheit, um der Türkengefahr aus dem Osten zu begegnen. Vor allem aber wollte er zum Kaiser gekrönt werden. Dazu brauchte er einen Papst und nicht drei, die nach dem gescheiterten Einigungsversuch 1409 beim Konzil von Pisaihre Machtansprüche geltend machten. Seit dem Abendländischen Schisma 1378 hatten zwei Päpste Anspruch auf den Stuhl Petri erhoben. In Rom fühlte sich seit 1406 ein Venezianer, Gregor XII., als rechtmäßiger Stellvertreter Gottes auf Erden und in Avignon ein Spanier, Benedikt XIII. . Von 1304 bis 1378 residierten die Päpste ausschließlich in Avignon, eine Zeit, die man als „babylonische Gefangenschaft der Kirche“ bezeichnet. Weil die Päpste in dem bis heute erhaltenen Papstpalast ein fürstliches Leben führten, hat der Volksmund den Satz geprägt: „Man lebt wie Gott in Frankreich.“ Um die Spaltung zu überwinden und fortan wieder von einem Papst in Rom regiert zu werden, bat König SigismundJohannes XXIII., der dem in Pisa gewählten aber danach verstorbenen Papst folgte, ein Konzil einzuberufen. Konstanz, freie Reichsstadt, Bischofssitz und wichtiger Verkehrsknotenpunkt bekam den Zuschlag und wurde so zum ersten Konzilsort auf deutschem Boden. Am 28. Oktober 1414 zieht Papst Johannes auf einem Schimmel in Konstanz ein und hofft, auf dem Konzil seine beiden Konkurrenten loszuwerden. Aber es sollte ganz anders kommen. König Sigismund, der erst am Weihnachtsabend in Konstanz ankommt. ist klar, dass die Einheit der Kirche nur mit einem neuen Papst möglich ist. Johannes muss zusammen mit seinen zwei Konkurrenten abdanken, flieht, wird gefangen genommen und in Mannheim eingesperrt. Er wird später von der offiziellen Papstliste gestrichen, so dass 1958 ein anderer Papst den Namen Johannes XXIII. annehmen kann, ein Reformpapst, der dieser Tage zusammen mit Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde.

Foto: privat
Text: A. Becker





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