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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 07.05.14 , gültig bis Mi. 14.05.14

Unsere Gene - in wieweit ist unser Leben vorprogrammiert?

Ein hoch angesetztes Thema war angesagt: in wieweit ist unser Leben durch unsere Erblast – unsere Gene - determiniert, vorherbestimmt? Doch der Referent, ein ausgewiesener Evolutionsbiologe der Universität Konstanz, muss kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Aber das erwartungsvolle Publikum wird nicht enttäuscht. August Becker, der erfahrene Leiter der PSA, nimmt die Sache in die Hand und zeigt mit zwei Filmen neueste Erkenntnisse der Genforschung auf. Fazit: Die Epigenetik-Revolution hat schon begonnen. Geradezu beängstigend ist im ersten Film zu sehen, wie in China in riesigen Labors – ohne ethische Bedenken oder Beschränkungen wie in USA oder Europa – die Sequenzierung von Genen, also die Abfolge in der Kette des aus 3,3 Millionen Buchstaben bestehenden Genoms der Menschheit, der Lebewesen vorangetrieben wird. Durch Veränderungen der DNA-Sequenz können Veränderungen der Chromosomen, der Träger unseres Erbgutes, ausgelöst werden Dies wird beispielsweise genutzt, indem Schweine für die Forschung in ihrer Entwicklung zu Diabetes anfälligen Tieren „gepusht“ werden. Wird künftig auch der Mensch „gepusht“ zum Menschen unsrer Wahl? Der Genmanipulation ist damit Tür und Tor geöffnet. In einem zweiten Film ging es darum, dass Gene sich selbst in geringem Maße durch äußere Einflüsse verändern können. Unser Erbgut, im Genom gespeichert, ist gewissermaßen unsere Festplatte. Die Epigenetik ist das Betriebssystem, die Schnittstelle zwischen unserer genetischen Grundausstattung und der Umwelt, der Faktoren, die auf unsere Entwicklung, auf unser Leben einwirken. Seit Darwin herrschte die Meinung vor, dass die von den Vorfahren übermittelte Erbmasse nicht veränderbar ist und entscheidend unser Leben bestimmt. Durch die Forschung, besonders auch mit eineiigen Zwillingen, ist man zur Erkenntnis gelangt, dass äußere Umstände die Gene so verändern können, dass diese Veränderungen auch auf die folgenden Generationen übertragen werden. So hat man bei holländischen Kindern, die während des Krieges sehr stark von Hunger und Traumata betroffen waren, veränderte Spuren im Genom gefunden, welche in dieser Generation bei allen gemeinsam zu gesundheitlichen Probleme bei zunehmendem Alter führten. Das ganz Besondere und Erstaunliche dieser neuen Erkenntnis ist die Tatsache, dass diese Schäden mit ihrem Einfluss auf die Keimzellen auch auf die Nachkommen übertragen wurden, die ohne Einschränkungen geboren wurden, also bei Kind und Kindeskindern, wie schon die Bibel sagt, wirksam werden. Man muss sich klar darüber werden und die menschliche Erfahrung wird hiermit bestätigt, dass unser ganzer Lebenswandel mit Essen, Trinken, die Art oder Unart, wie wir leben, Einfluss auf unsere Nachkommen hat. Es wird daran geforscht, wie auch Stress und Traumata Gene verändern können, denken wir nur an die Kriegskinder auch bei uns und ihre Nachkommen. Auch bei der künstlichen Befruchtung sind Samen und Ei gestresst. Kinder aus solcher Zeugung sind oft Frühgeburten, krankheitsanfälliger und nicht so robust wie Kinder aus natürlicher Zeugung. Und geklonte Föten bei Mensch und Tier sterben zu über 90 % schon im Mutterleib ab. Die Natur setzt solchen Eingriffen selbst Grenzen. Die Erforschung der ganz unterschiedlichen epigenetischen Steuerungsfunktionen hat inzwischen eine heute noch kaum fassbare Bedeutung für alle Bereiche der Biologie und Medizin erreicht. Es ist wie die Öffnung der „Büchse der Pandora“, der Wundertüte. Aus ihr kann Gutes, aber auch Schlimmes entstehen (Christian Mittelstraß).

Foto: Mathes





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