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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Di. 22.04.14 , gültig bis Di. 29.04.14

Dunkles Kapitel in Berghausens Ortsgeschichte: Der Luftangriff jährt sich zum 70. Mal

Bei manchen alten Berghausenern ist sie unvergessen, jene schreckliche Nacht auf den 25. April 1944. Im Morgengrauen bot sich ein furchtbares Bild der Zerstörung. Ein beträchtlicher Teil des Dorfes war eingeäschert, überall gab es Trümmer, verkohlte Möbelreste, Tierleichen – und stechender Phosphorgeruch. Das Stunden zuvor mit einem dichten Bombenteppich der Alliierten belegte 3100-Seelen-Dorf wurde, bis dahin weitgehend verschont, von der Brutalität des Zweiten Weltkriegs förmlich überrollt. Vornehmlich in Mitleidenschaft gezogen wurde das Oberdorf ab der Brückstraße in Richtung Söllingen sowie der Bereich zwischen Pfinz und Hopfenberg. Die Bilanz des traurigsten Kapitels in der Ortsgeschichte sind vier Tote (erstickt und verbrannt) sowie großer materieller Schaden bei den Betroffenen.

Der Tag zuvor, Montag der 24. April, so erinnert sich Erika Bucher noch sehr genau, war ein schöner Frühlingstag. Ein jeder ging seinem Tagwerk nach, trotz der sich am Himmel zeigenden Flieger, die unermüdlich Rauchzeichen setzten. Flugzeuge waren in jener Zeit, so ergänzte ihr Ehemann Klaus Bucher, ein gewohnter Anblick, obwohl man vielfach nicht wusste, war es Freund oder Feind.

Elf Jahre alt war damals Erika Bucher und wohnte am Ortsrand in der Hindenburgstraße (heute Steigstraße). Ihr ein Jahr älterer späterer Ehemann Klaus war in der Zimmerstraße daheim. Beide Adressen liegen auf der nordöstlichen Anhöhe des Pfinztals und bieten einen guten Blick auf den Ortskern. Mittendrin im späteren Bombenszenario hatte Rolf Girrbach in der Bäckerei Girrbach sein Zuhause. Klaus und Rolf waren Klassenkameraden in der Volksschule. Den beiden ist das Geschehen dieser Nacht bis heute unvergessen. Nicht viel im Gedächtnis geblieben ist Rudi Ludwig, der als zehnjähriger im Oberdorf wohnte und ebenfalls alles miterlebte, sich an Besonderheiten aber nicht mehr erinnert.

Nach 23 Uhr ertönte Voralarm, gleich darauf Vollalarm. „Alles ging rasend schnell“, erzählt Hellmut Müller, dessen Elternhaus an der Hauptstraße im Oberdorf stand und getroffen wurde. Am Himmel standen bereits die grünen Leuchtsignale, „Christbäume“ genannt, mit denen die Flieger ihre Wurfziele beleuchteten. Bevor viele, darunter auch der neunjährige Hellmut Müller mit seiner jüngeren Schwester Gerlinde und seiner Mutter die schützenden Keller erreichten, fielen die ersten Brandbomben. In dieser Nacht, das weiß man inzwischen, galt der Großangriff nicht dem strategisch unbedeutenden Pfinztaldorf, sondern Karlsruhe und der Munitionsfabrik, „Patron“ genannt, im Nachbarort Grötzingen. Südwestwind jedoch hatte die Leuchtzeichen nach Nordosten abgetrieben.

Bei der ersten Angriffswelle des Fliegerverbandes wurde auch über Teile von Söllingen der zerstörerische Bombenhagel abgeworfen. Weiter oben im Pfinztal zogen die Bomber dann eine Schleife, kamen zurück und luden erneut ihre tödliche Fracht ab. Was dann für Berghausen nördlich der Pfinz vorgesehen war (ein Haus wurde getroffen konnte aber gelöscht werden) ging auf den Fluren des „Hummelberg“ nieder. Im Quartier zwischen Brück-, Karlsruher-, Kelter- und Oberlinstraße war alles, bis auf das Haus der „Bäckerei Girrbach“, zerstört. Und auch unser Haus wäre abgebrannt, wenn die zu Hilfe gekommene Feuerwehr aus Königsbach es nicht gelöscht hätte, erinnert sich Rolf Girrbach. Zu den Opfern des Luftangriffs auf Berghausen gehörte Egon, der Klassenkamerad von Klaus und Rolf. Wie durch Gotteshand geleitet blieben beim großen Luftangriff vor 70 Jahren das Rathaus, Martinskirche, evangelisches Pfarrhaus, Oberlinhaus und Wirtshaus „Laub“, die zum zerbombten Ortsetter gehörten, verschont. Vorbildlich sei die danach herrschende Hilfsbereitschaft für die Obdachlosen gewesen, heißt es im Ortsbuch. Man rückte zusammen, teilte das Alltägliche miteinander.

Der schrecklichsten Stunden Berghausens im Zweiten Weltkrieg gedenken auch die evangelische, katholische und neuapostolische Gemeinde in ihren Gottesdiensten und beten dafür, dass solches nie mehr geschehen möge.





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