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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 19.02.14 , gültig bis Mi. 26.02.14

Ökologische Landwirtschaft – Schlüssel für qualitativ hochwertige Ernährung?

Eine gesunde Ernährung, möglichst mit biologisch erzeugten Nahrungsmitteln beschäftigt heute viele Menschen. Der Markt für Bioprodukte boomt, die heimische Erzeugung kann die Nachfrage kaum decken. Was aber unterscheidet die Produktionsweise und die Produktqualität von ökologischer gegenüber konventioneller Landwirtschaft? Dieser Frage ging in der letzten Vortragsveranstaltung der Seniorenakademie Professor Torsten Müller, Dekan der Fakultät Agrarwissenschaften der Universität Stuttgart-Hohenheim mit wissenschaftlicher Gründlichkeit nach. Ein Vorfilm zeigte konventionelle Tierproduktion am Beispiel Milcherzeugung und Schweinezucht im spezialisierten Großbetrieb in tiergerechter Massenproduktion. Ein ökologisch wirtschaftender Betrieb kennt keine Massentierhaltung auf engem Raum. Boden - Pflanze – Tier bilden einen innerbetrieblichen Kreislauf der Nährstoffe mit wenig Zuflüssen von außen, etwa an Dünger oder Futterstoffen. Die Fruchtfolgegestaltung ist vielseitig und auf den Erhalt der Nährstoffe im Boden ausgerichtet. Chemische Kunststoffe wie Düngemittel oder im Pflanzenschutz (Pestizide) werden durch biologische Stoffe und erhöhten Arbeitseinsatz (Unkrautbekämpfung ohne Herbizide) ersetzt. Der vorbeugende Medikamenteneinsatz (Antibiotika) in der Tierhaltung fällt weg. Stallmist, Futterbau und Zwischenfrüchte mit Leguminosen ersetzen den künstlichen Stickstoffdünger, Kompost aus Abfallstoffen und Regenwürmer verbessern die Bodenstruktur. Kurz gesagt: Die ökologische Landwirtschaft basiert auf nachhaltig wirtschaftenden, an die gegebenen Standortverhältnisse angepasste Gemischtbetriebe mit Viehhaltung. Das gilt für die Prozessqualität der Nahrungsmittelerzeugung. Wie sieht es mit der Produktqualität aus? Sind biologisch erzeugte Nahrungsmittel qualitativ besser, gesünder als konventionell erzeugte? Hier zerstreut der Hohenheimer Landwirtschaftsprofessor einige verbreitete Vorurteile. Einzelne Studien mögen Abweichungen aufzeigen. Aber auf Grund einer neuen Zusammenfassung einer großen Zahl von Untersuchungen lässt sich feststellen, dass es bei den wertgebenden Inhaltsstoffen (Nähr-, Mineral-, Wirkstoffe) keine signifikanten, also messbaren Unterschiede gibt. In konventionell erzeugten Produkten sind allerdings mehr Pestizidrückstände und Antibiotika-resistente Bakterien zu finden, das aber innerhalb der Grenzwerte. Bei Obst und Gemüse ist in der Regel der Wassergehalt höher, und verarbeitete Produkte zeigen ein erhöhtes Allergiepotential durch Lebensmittelzusätze. Ökologisch wirtschaftende Betriebe vermeiden Herbizide und Wachstumsregulatoren, Unterbodenverdichtungen wie auch Verarmung des Bodenlebens. Sie sind weniger abhängig von der Agrarchemie, bezahlen das aber mit höherem Arbeitsaufwand. Der Ökolandbau verlangt auf jeden Fall erhöhte Anforderungen an die Organisation des Betriebes in der gewollten Vielseitigkeit und an den Betriebsleiter. Sind nun biologisch sich ernährende Verbraucher gesünder und langlebiger als solche mit konventionellen Lebensmitteln? Manche Untersuchungen scheinen darauf hinzudeuten. Aber Biofreaks, Vegetarier oder Veganer sind Menschen mit einem gesundheitlich besser zu bewertenden Lebensstil, in der Regel Nichtraucher, sportlich aktiv und sich bewusst gesund ernährend. Das macht den Unterschied aus und nicht so sehr die Herkunft der Nahrung. Dies war das Resümee des Hohenheimer Agrarwissenschaftlers Torsten Müller.

Text: Christian Mittelstraß
Foto: Matthes





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