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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 03.07.13 , gültig bis Mi. 10.07.13

Gewannwegewanderung in Söllingen

Mit „Gewann“ bezeichnete man in früheren Jahrhunderten die Gebiete um ein Dorf herum. Ein Gewann bestand dabei aus vielen Äckern. Die historischen Bezeichnungen dieser Gebiete haben sich bis heute erhalten, wenngleich sie in der Schreibweise teilweise verändert wurden.

Wie jetzt bei einer Gewannwegewanderung in Söllingen zu erfahren war, handelte es sich dabei um eine spannende Sache mit vielen Hintergrundinformationen. Die 6 Kilometer-Route glich einer Schleife in den Söllinger Nordwesten durch die Gewanne rechts der Pfinz. Mit Volker Schrimm erklärte sich ein Söllinger mit ausgeprägtem Interesse und Wissen zur Heimat bereit, die Exkursion zu leiten. Pfinztaler aus allen vier Ortsteilen, vom Kleinkind bis zum Senior, beteiligten sich am Rundgang. Immer wieder unterbrachen kleine Stopps den Fußmarsch, der im Ortskern begann und beim „Haus Pfinztalblick“ der Naturfreunde seinen Abschluss fand. Bei den Stopps berichtete der 55-jährige Speditionskaufmann aus seinem Lieblingsfach, der Heimatkunde, von Geschehnisse und Besonderheiten zu Söllingen aus längst vergangener Zeit.

Saldingen, so die damalige Schreibweise, wurde erstmals vor 928 Jahren erwähnt. In alten Urkunden und Büchern finden sich rund 300 Namen von Gewannen, erzählt Volker Schrimm. Mit dabei hat er einen Flurplan von 1756, der die große Vielzahl solcher Gewanne zeigt. Waren es vor 130 Jahren noch 113 Bezeichnungen, sind es heute deutlich weniger.

Schwer falle die Deutung der Namen, nicht zuletzt weil sich deren Schreibweise im Laufe der Jahrhunderte ständig veränderte, wiederholte sich Volker Schrimm immer wieder. Auch gab er Beispiele dafür, wie Wortendungen verschluckt oder Buchstaben weggelassen oder hinzugefügt wurden. Schwierig war es auch, den gehörten südfränkischen Dialekt im Pfinztaldorf in eine schreibbare Form zu bringen. Das änderte sich erst 1880, als man sich in Deutschland auf eine einheitliche Schreibweise einigte.

Ein Gewann entstand als Flurform in Folge der Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts und ist seit dem achten Jahrhundert belegt, hieß es.

So wurde beispielsweise aus Hattetal der heute geläufige „Hodelter“ und der „Steinbacherhaldenwald“ nannte sich einst “Stoppenhellewall“.

Rund 600 Jahre zurück liegen die Bezeichnungen „am Meln“ (heute „Mehläcker“) und „uf dem Engelfeld“ (Engelfeld), während man vor 530 Jahren „bey den Heilbronnen“ (Heilbrunn) sagte, weil dort eine heilkräftige Quelle sprudelte. Stichwort Quellen: Davon gab es in Söllingen in der Vergangenheit mehrere. Die anhaltenden Regenfälle dieses Frühjahrs haben dazu geführt, dass die „Hungerquelle“ am Eingang des Hirschtals und die „Salebüscheles-Quelle“ wieder aufbrachen, informierte Volker Schrimm.

In den „Klupperter Bäum“ läuft gerade das archäologisches Projekt zur Ausgrabungen von Merowinger-Gräbern. In Richtung Sonnenhof wurde mit gebündelten Holzstämmen, die teils mit Erde bedeckt sind, ein neues Refugium für Zauneidechsen angelegt, zeigte und erklärte Volker Schrimm. Dabei handelt es sich um eine Ausgleichsfläche für den bisherigen Standort der geschützten Tiere im Gewann „Engelfeld/Heilbrunn“, einem für Wohnbebauung vorgesehenen Gewann.

Stets wusste Volker Schrimm bemerkenswerte Randnotizen zu erzählen, so auch zu den „Stabsäckern“, die Bezug auf das 13. Jahrhundert nehmen, als ein Adelsgeschlecht derer zu Seldingen genannt wird. Auch „Silbert“ lässt eine vage Deutung zu. An diesen Orten fand man geringe Mengen an silberglänzendem Galmei (alter Name für Bleiglanz oder Zinkspat).

Schließlich „uf der rute“, heute „Reute“. Hinter dieser vor 605 Jahren niedergeschriebenen Namensgebung verbirgt sich ein Stück Wald oder Gelände mit Buschwerk, das gerodet und zu Ackerland umgewandelt wurde.





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