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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Sa. 25.05.13 , gültig bis Mi. 05.06.13

Im Juli soll die Glocke der Friedhofskapelle Kleinsteinbach wieder läuten

Edelstahl Rosswag ermöglichte Projekt mit Realschülern

Ortsvorsteherin Barbara Schaier war es schon lange ein Anliegen, die kleine Glocke der Friedhofskapelle Kleinsteinbach wieder zum Läuten zu bringen. Vor 30 bis 35 Jahren – keiner weiß das wahre Datum genau – hat diese ihren Dienst bei Beerdigungen aufgegeben oder besser gesagt aufgeben müssen. Letztlich war der Umbau der ursprünglichen, sogenannten Leichenhalle und Ausbau zu einer großen Friedhofskapelle die Ursache dafür, dass das Glöcklein in Vergessenheit geriet. Der vorherige Seilzug zum Läuten war entfernt worden.

Barbara Schaier ist mit der Sache sogar „erblich belastet“, ist die Glocke doch durch das Handeln ihres Vaters Siegfried Dürrler und des Opas Otto Deurer nach Kleinsteinbach gebracht worden. Die beiden Männer des familiären Speditionsunternehmens, das vom damaligen Wolframerz-Werk Söllingen/Kleinsteinbach regelmäßig das Ruhrgebiet belieferte, entdeckte beim Werk Bochumer Verein in den 50-er Jahren die Glocke, die man ihnen überlassen hat, weil sie dort nicht mehr gebraucht wurde. Nach Kleinsteinbach transportiert, stellten sie der Gemeinde die Glocke zur Verfügung. Sie fand ihren Platz im Türmchen auf der Leichenhalle, die Ende der 40-er Jahre erbaut worden war.

Nach einem Gespräch der Ortsvorsteherin mit dem ehemaligen Geschäftsführer von Edelstahl Rosswag, Karlheinz Essig, wurde kürzlich eine Aktion auf den Weg gebracht, die jetzt zu einem guten Ende für Barbara Schaiers Wunsch führte. Das bekannte Unternehmen erinnerte sich seiner Kontakte mit der Geschwister-Scholl-Realschule, mit der es im Rahmen des Unterrichtsfaches Naturwissenschaften und Technik (NWT) schon in den letzten Jahren Projekte unterstützte und begleitete. Die Restaurierung der alten Glocke einschließlich Produzieren eines neuen Klöppels nahmen sich Zehntklässler in Zusammenarbeit mit der Firma als Projekt vor. Bernd Broschinski und Peter Schlecht kümmerten sich als Ausbildungsleiter um das Vorhaben. Es wurde ein Projektplan und das Projektmanagement entworfen, wie Geschäftsführer Dr. Sven Donisi jetzt anlässlich einer gemeinsamen Besichtigung des Erreichten in Anwesenheit von Bürgermeisterin Nicola Bodner, Barbara Schaier, Karlheinz Essig und weiteren Gästen anerkennend bemerkte. Begleitet wurden sämtliche Arbeiten, vom Abbau der Glocke am Friedhof, Transport zur Firma, den notwendigen Arbeiten am Objekt bis zu den Internetrecherchen der Schüler zum Glockenguss und Klöppelbau mit einer Fotodokumentation.

Die 24,6 kg schwere Glocke aus Gussstahl (das Rohmaterial stammte vom Pfinztaler Wolframwerk) musste geschliffen, gereinigt und lackiert werden. Eigentlich völlig ungeeignet nach heutigen Erkenntnissen war der alte, zu schwere Klöppel, berichten die Experten. Edelstahl Rosswag, anerkannter Klöppelfachbetrieb, schmiedete dafür einen neuen aus „weichem“ Material (124 HB anstatt um 150 wie bei den großen Glocken), der erstens die Haltbarkeit der Glocke deutlich verlängert und zweitens einen besseren Klang ermöglicht. Davon konnten sich die Besucher einen Eindruck machen. 2,15 kg bei einer Länge von 326 Millimetern und einem Ballen-(Kugel-) Durchmesser von 63 mm wiegt der neue Klöppel. Erstellt wurde von der Projektgruppe auch ein neues Joch als Trageelement für Glocke und Klöppel. Was noch fehlt, ist ein elektrisches Antriebsgerät für den Läutevorgang, das durch eine Fachfirma geliefert wird. Die notwendigen Elektroleitungen werden von der Gemeinde verlegt.

Bürgermeisterin und Ortsvorsteherin bedankten sich bei Karlheinz Essig und den Vertretern des Familienbetriebes für ihr großes, beispielhaftes  Engagement in der Gemeinde (ein mittlerer vierstelliger Betrag wurde durch die Firma für das jetzige Projekt übernommen) und bei den Realschülern für ihren Einsatz.

Die Glocke soll nun noch vorübergehend in der Volksbank-Filiale oder der Ortsverwaltung zur näheren Besichtigung ausgestellt und dann im Juli (Termin wird noch festgelegt) mit einer kleinen Feier ihren Platz in der Friedhofskapelle erhalten. Dann soll der Weg Verstorbener im Sarg oder in der Urne zur letzten Ruhestätte wieder vom Läuten der neuen/alten Glocke begleitet werden.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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