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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Sa. 18.05.13 , gültig bis Di. 28.05.13

Feuerwehr Kleinsteinbach feiert 75-jähriges Bestehen

Aus primitiven Anfängen zu hoch technisierter Wehr entwickelt

Im Leitmotiv ist man sich treu geblieben, ansonsten hat sich in einem Dreivierteljahrhundert vieles verändert. Auf dieses kann die Freiwillige Feuerwehr Kleinsteinbach, seit der Gemeindefusion Abteilung der Pfinztal-Wehr, in diesem Jahr zurückblicken. Grund genug jedenfalls, in den Annalen der Wehr zu blättern.

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Einer für Alle, alle für Einen“ schreibt sich die traditionsreiche Bürgerorganisation schon immer auf die Fahnen. War es im Gründungszeitraum, ein Jahr vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, die ursprüngliche Hauptaufgabe, bei Bränden die Bevölkerung zu schützen und ihr zu helfen, so hat sich vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten das Aufgabenspektrum stark verändert und reicht deshalb weit über bloße Brandbekämpfung hinaus. „Menschen und Tiere aus Notsituationen zu retten und Hilfe bei Unfällen und Naturkatastrophen zu leisten, gehören heute genauso selbstverständlich zum Einsatzgebiet wie der Schutz von Sachwerten und das Engagement im vorbeugenden Gefahren- und Brandschutz“, beschreibt Landrat Dr. Schnaudigel treffend in seinem Grußwort in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum. Entsprechend den höheren Anforderungen wurde auf baulichem Sektor, bei der Fahrzeug- und technischen Ausrüstung und bei der Ausbildung aufgerüstet, um die Aufgaben zufriedenstellend erfüllen zu können. Bis heute genießt die Kleinsteinbacher Wehr das Vertrauen der Bevölkerung, und sie hat sich schon mehrfach auch bei schwierigen Einsatzlagen bei ihrem ehrenamtlichen Wirken bewährt und daher Dank und Respekt verdient.

Offizieller Beginn der Wehr war die Gründungsversammlung am 26.März 1938 mit 40 Männern, meist örtliche Handwerker, die sich für den Dienst am Nächsten bereit erklärten. Doch dem ging schon in den 1920er-Jahren eine bewegte Zeit mit der Gründung einer so genannten Hilfsmannschaft voraus, die einmal im Jahr probte und deren primitive Ausstattung bei einem Besuch des Feuerlöschinspektors 1925 als unzureichend angesehen wurde. 1933 war es mit der Disziplin nicht mehr so weit her, wie festgestellt wurde, denn „das Einsatzgerät wurde oftmals für private Arbeiten zweckentfremdet, war teilweise kaputt und die Mannschaft nur unvollständig bei der Übung angetreten“. Der Kreiswehrführer drängte 1937 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, die dann am oben genannten Datum erfolgte. Die allwöchentliche Übungsstunde war jetzt gesichert, dazu gab es eine bessere Ausrüstung. Um die Einsatzbereitschaft während des Krieges zu erhalten – viele Wehrmänner waren eingezogen -, wurde 1943 eine Hilfsmannschaft und eine Jugendwehr gebildet. Wegen der ständig steigenden Zahl von Luftangriffen mussten sie in ständiger Alarmbereitschaft sein. Während im Ort selbst nur zwei Brände nach Luftangriffen zu bekämpfen waren, wurden die Helfer häufig von Berghausen bis Pforzheim gerufen. Nach Kriegsende erfolgte eine vorübergehende Auflösung und ein Neubeginn im Jahre 1946 mit 28 Mann. Die Versorgungsknappheit machte auch vor der Feuerwehr nicht halt; die Ausstattung war weiter ungenügend. 1947 wurde die erste Motorspritze (heute noch als Ausstellungsstück erhalten) angeschafft. 1954 wurde ein Spielmannszug etabliert, der 20 Jahre bestand. Mit dem Wirtschaftsaufschwung gelang es, auch die Wehr besser auszustatten. Erstmals wurde 1961 ein motorisiertes Fahrzeug angeschafft, das wie alle Geräte im alten Schulhaus beim Rathaus untergebracht war. 1972 beschloss der Gemeinderat der noch selbständigen Gemeinde ein neues Gerätehaus zu bauen. Es wurde an Stelle des Schulhauses in der Bockstalstraße errichtet. Dazu wurde zur Einweihung auch ein neues Löschfahrzeug LF 8 durch die Gemeinde Pfinztal übergeben. 1978 gab es einen Hochwassereinsatz beim bisher größten Hochwasser an Pfinz und Bocksbach. Der in den 50er-Jahren eingeführte Sirenenalarm wurde 1987 durch die stille Alarmierung ersetzt. In den 80er-Jahren nahmen die technischen Hilfeleistungen stark zu; in den 90ern wurden durch eine neue Konzeption den neuen Abteilungen gemeindeweite Aufgaben zugeteilt; so wurde in Kleinsteinbach eine Atemschutzwerkstatt eingerichtet. Die Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens erhöhte 1992 die Flexibilität. Dazu wurde 1998 ein modernes LF 8/6 angeschafft. Der Jahrhundertorkan „Lothar“ wurde 1999 mit vielen Einsätzen bewältigt. Weniger Hochwassereinsätze gab es dagegen durch die zur Jahrtausendwende gebaute Schutzmauer entlang der Siedlung. 2002 war die Jugendwehr kurz vor ihrem 25-jährigen Bestehen die größte im gesamten Landkreis. 2003 wurde der Wehr ein Vorausrüstwagen gespendet. 2011 folgten Umbauarbeiten im Gerätehaus mit Verlagerung der Umkleideräume und Schaffung eines neuen Zugangs. Ein neuer Mannschafts-transportwagen wird noch im Jubiläumsjahr erwartet. Derzeit zählt die Wehr 27 Aktive (Altersschnitt unter 30 Jahre), zehn Jugendliche und sechs Alterskameraden und wird seit 2012 von Michael Steudle, dem bislang zehnten Kommandanten, geführt.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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