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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Bildung/Wissen | Mitteilung vom Do. 02.05.13 , gültig bis Di. 07.05.13

Wie soziale Netzwerke die Welt verändern

Die digitale Vernetzung der Menschen über Facebook, Twitter und Web 2 verändert das menschliche Miteinander, vor allem junger Menschen, in einem bisher unvorstellbaren Maße. Sich damit auseinanderzusetzen, war Thema der jüngsten Vortragsveranstaltung der Pfinztaler Seniorenakademie. Schon der Vorfilm zeigte in aller Deutlichkeit auf, was es bedeutet, wenn ein Mensch sich einem dieser modernen medialen Netzwerke anschließt. Die Verführung ist groß. Über Facebook gerät man ganz schnell in ein Beziehungssystem mit über einer Milliarden Menschen, und das weltweit und dazu kostenlos. Mit einem Klick hat man sofort 300 bis 400 Freunde. Und ein gelungenes Familienvideo, bei Youtube eingegeben, erreicht die ganze Welt. Zu leicht gibt der Nutzer dieser sozialen Netzwerke persönliche Daten preis, einen Datenschutz gibt es nicht. Was in das mediale Netzwerk eingegeben ist, bleibt da drin, auch wenn man es im Nachhinein bereut. Professor Dr. Christof Seeger von der Hochschule für Medien Stuttgart zeigte in seinem Vortrag auf, wie diese neuen Medien das soziale Miteinander verändern. Früher hatte man traditionell wenige Freunde mit starker gegenseitiger Zuwendung und Vertrautheit. Der heutige Mediennutzer hat ganz schnell viele „Freunde“, im Grund lose Bekanntschaften. Am Beispiel eines Notfalls, einer Autopanne, melden sich beim Hilfesuchenden über Facebook viele „Freunde“ mit guten oder eher nicht ernst gemeinten, unsinnigen Ratschlägen, selbst aus Übersee. Jede Aktion im medialen Netzwerk hinterlässt Spuren, die man nicht löschen kann. Private Dinge, Probleme oder eine ungeschickte Äußerung, auch ein eingegebenes Bild kann man nicht zurückholen. Es bleibt im Netz, und Facebook gibt es weiter. Und bei einer Bewerbung interessiert sich sicher der Personalchef dafür. Nach Meinung des Referenten gehen vor allem junge Menschen viel zu unkritisch mit den neuen Medien um. „Willst Du einen Freund? – mach Klick“. Unabhängig von Zeit und Raum lassen sich soziale Kontakte herstellen. Das kostet nichts und macht nicht viel Mühe. Aber das „Sozialkapital“ muss gepflegt und korrigiert werden. Und das kostet Zeit. Ein soziales Netzwerk per digitale Medien kann man nicht „ausprobieren“. Man braucht ein „Facebook-Konto“, man muss angemeldet sein. Man muss sich dann immer darüber klar sein, was man sagt, was man von sich preisgibt. Der Mensch wird „gläsern“. Über unsere Kontakte werden wir beurteilt, wichtig auch für die Werbung. Denn darüber finanzieren sich die Anbieter. Es gibt verschiedene Nutzertypen. Die meisten (80 %) sind passive Zuschauer, andere suchen Kontakte und pflegen sie auch. Wieder andere sind „Macher“, sie wollen mitreden, mitteilen, mitmachen, sich darstellen, gerne etwas zeigen. Der revolutionäre „Arabische Frühling“ wäre ohne soziale Netzwerke wie Twitter nicht möglich gewesen. Insgesamt hat das Internet gewaltig an Bedeutung zugenommen. Es verdrängt die Printmedien und das Fernsehen. Es bietet den Vorteil, dass man Nachrichten, Informationen, Sendungen gezielt zu jeder gewünschten Zeit und an jedem Ort abrufen kann. Damit verschwindet auch das tägliche Ritual wie die morgendliche Zeitung, die abendlichen Nachrichten mit anschließendem Krimi im Fernsehen. Das ist für die Jugend nicht mehr attraktiv. Sie will jederzeit Zugriff zur medialen Welt, zu Info, Spiel, Spaß und Unterhaltung. Dazu kommt die Gratismentalität, denn die Internet-Medien finanzieren sich über die Werbung, und dies auf Kosten der Printmedien, die zunehmend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Auch geht die starke Bindung an ein bestimmtes Medium wie das Abonnement einer Zeitung verloren. Wir leben in einer Welt des Informationsüberflusses. Die neuen Wege der Informationsbeschaffung werden von den jungen Menschen heute voll angenommen. Hier muss man warnen, verantwortlich damit umzugehen. Für die ältere Generation ist die Wochenzeitung für eine seriöse Informationsbeschaffung und das Telefon für die Pflege echter Freundschaften noch immer erste Wahl. Das ist auch die Meinung von Medienprofessor Christoph Seeger zum Abschluss eines hochinteressanten und aktuellen Info-Nachmittags der Seniorenakademie.

Christian Mittelstraß





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