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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 11.04.13 , gültig bis Mi. 17.04.13

Pfinztaler Seniorenakademie: Wohin gehen wir, wenn wir sterben?

Ein Novum im Programm der Seniorenakademie war ein Dialog-Vortrag zwischen Naturwissenschaft und Theologie über ein insbesondere ältere Menschen bewegendes Thema. Zwei Referenten, der Theologieprofessor Dr. Klaus Berger, Universität Heidelberg, und der Physiker und Sterbeforscher Dr. Markolf Niemz, Universitätsklinikum Mannheim, sollten sich zu fünf Fragestellungen äußern:

Wer oder was ist das Ich, was ist die Seele, die Ewigkeit, das Jenseits und wer oder was ist Gott. Die Veranstaltung lockte eine große Anzahl Zuhörer an. Für diese war es nicht einfach, den Thesen und Gegenthesen der Referenten zu folgen, das Gemeinsame und Trennende auseinander zu halten und deren Aussagen in letzter Klarheit zu verstehen. Ein Film führte in gewohnter Weise auf das schwierige Thema hin, wobei der Astrophysiker Lesch deutlich machte, dass die Wissenschaft über das, was nach dem Tod kommt, keinerlei Aussagen machen kann. Er selbst werde sich überraschen lassen. Der Theologe Berger bekannte sich in seinen Statements ganz eindeutig zu den Aussagen der Bibel über das Wesen des Menschen, seine Seele und was mit den Begriffen Ewigkeit, Jenseits und Gott zu verstehen ist. Der Physiker Niemz dagegen legt seiner Theorie die Erkenntnisse der Physik zu Grunde und stützt seine Aussagen auf Nahtod-Erfahrungen mit Sterbenden. Diese haben nach Berger jedoch nur einen begrenzten Aussagewert.

Das Ich ist für den Theologen die individuelle Person. Sie steht im Gegenüber mit anderen Menschen, mit der Natur und mit Gott. Sie ist von Gott im Augenblick der Entstehung zum Leben gerufen. Leben und damit das Ich beginnen mit der Befruchtung im Mutterleib. Es gibt kein Dasein vorher. Das Ich ist auf die Leiblichkeit ausgerichtet. Die Seele ist das Gestaltungsprinzip des Einzelnen, sie ist individuell, auf den Leib hin geschaffen. Sie ist unsterblich. Es gibt keine Trennung von Leib und Seele, das glückliche Ende liegt in der Auferstehung. Nur der Mensch hat eine rationale und personale Seele. Beim Sterben löst sich die Seele vom irdischen Körper, das Ich wird verwandelt in einen neuen Leib.

Nach dem Physiker Niemz ist ein isoliertes, individuelles Ich eine Illusion. Das Ich ist eine Tätigkeit, ein Fühlen, Lernen, Tun und ohne Körper nicht denkbar. Ich bedeutet Fühlen und Lernen. Seele ist gefühlte Liebe und gelerntes Wissen. Sie hat keinen Körper, keine Masse. Das Ich stirbt mit seinem Körper, die Seele nicht. Beim Sterben verlieren wir den Körper und damit das Fühlen und Lernen. Die Seele verschwindet beim Sterben mit Lichtgeschwindigkeit und geht im Licht der Ewigkeit auf. Dabei nimmt sie die Liebe und Erkenntnis, die wir im Leben erfahren haben, mit. Liebe und Wissen sind die höchsten Werte im Leben. Die Seele ist gefühlte Liebe und gelerntes Wissen. Beim Sterben taucht sie ein ins Licht. Die Ewigkeit ist die Perspektive des Lichts. In der Ewigkeit ist alles gegenwärtig, es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, kein Vorher, kein Nachher, keine Individualität und damit auch kein Wiedersehen. Diese Sicht erinnert an das Nirwana der Buddhisten.

Das Christentum dagegen ist keine Jenseitsreligion. Der Mensch ist keine Summe von Taten und Zuständen. Was er verantwortlich tut, hat Folgen für ihn und andere. Im Ergehen des Menschen bleibt ein Defizit an Gerechtigkeit. Das nennt man Sünde, und dafür muss er sich vor Gott verantworten. Es gibt kein Christentum ohne Gericht. Der Mensch ist nur im Gegenüber zu Gott zu verstehen. Gott ist in allem vorgeordnet, seine Souveränität ist nicht anzuzweifeln. Die Ewigkeit ist eine unvorstellbar lange Zeit, ein ewiges Leben.

Nach Niemz gibt es keinen persönlichen Gott, der uns richtet. Im Sterben erleben wir eine Lebensrückschau, die uns unsere Verfehlungen erkennen lassen. Wir können gutes oder schlechtes Handeln in unserem Leben bei dieser, von Sterbenden häufig berichteten, Rückschau selbst beurteilen. Niemz: Es ist sicher sinnvoll und hilfreich, sich einen persönlichen Gott zu denken, zu ihm zu beten, aber im Jenseits gilt diese Struktur nicht mehr. Da ist Alles in Allem, es gibt keinen Anfang und kein Ende. Jede Religion ist ein Wegweiser zu Gott. Gott ist in uns, in allem Geschaffenen. Auch Gott könne von uns Menschen lernen. Für den Theologen Berger dagegen ist Gott unser Gegenüber, Schöpfer, Geheimnis und Urgrund allen Seins. Alles in Allem bedeutet für ihn, alles Sein ist erfüllt von Gottes Segen, Kraft und Herrlichkeit. Einig waren sich die Referenten in dem Gebot, Sterbenden mit Liebe und Menschlichkeit beizustehen.

Text: Christian Mittelstraß
Foto: Manfred Redantz





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