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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Musik/Kunst/Kultur | Mitteilung vom Do. 04.04.13 , gültig bis Mi. 10.04.13

Karlheinz Essig gab Einblicke in die Entstehung und die Bedeutung von Glocken

In der Thomaskirche in Kleinsteinbach läutet eine der ältesten Glocken

Die Glocke als tönendes Musikinstrument kommt nicht zum Klingen, wenn kein Klöppel vorhanden ist. Die Verbindung zwischen Glocke und Klöppel zu beleuchten war die Thematik eines Vortrags von Karlheinz Essig im voll besetzten Bürgerhaus Pfinztal. Seinen mit Bildern angereicherten Vortrag hat der Kleinsteinbacher mit „Glocken – ihre Geschichte und Bedeutung“ überschrieben. Die detaillierten Informationen zeugten davon, dass der 73-Jährige vom „Glocken- und Klöppelvirus“ geradezu infiziert ist. Der Grund ist in seinem früheren beruflichen Alltag als kaufmännischer Geschäftsführer der Kleinsteinbacher Firma Edelstahl Roßwag zu suchen. Im inzwischen 102 Jahre alten Familienbetrieb, der größten Freiformschmiede in Süddeutschland, wurden von Anfang an Klöppel für Glocken hergestellt, mittlerweile über 1.000 Stück. In 40 Berufsjahren hat er also in Bezug auf die Glockenklöppel viel erlebt, sie waren seine steten Begleiter und das hat sich zuletzt merklich ausgeweitet. Die Firma hat mittlerweile für die Glocken namhafter Kirchen in ganz Europa die Klöppel geschmiedet und komplett mechanisch bearbeitet. Zu nennen sind hier die Frauenkirche in Dresden, das Münster in Straßburg, die Dombauten in Köln, Speyer und Wien sowie die Friedensglocke auf der Insel Malta.

„Man habe sich wirklich einen Namen gemacht“ sagt Karlheinz Essig und verwies auf eine vieljährige Praxis, die man sich am Kleinsteinbacher Standort erarbeitet hat. Das Entscheidende ist dabei die Feststellung von Wissenschaftlern und Materialforschern im Schalllabor, dass für den schonenden Glockenschlag ein passend geformter und nicht zu harter Klöppel erforderlich ist. Für die Firma Edelstahl Rosswag war dies eine Bestätigung ihres Wissens. Demnach muss ein Klöppel eine Glocke im wahrsten Sinn des Wortes küssen, damit es zum optimalen Ton und nicht zur Beschädigung kommt. Szenarien von gebrochenen Klöppeln gibt es genügend, weiß Essig.

Für das Kleinsteinbacher Unternehmen ist das Schmieden von Glockenklöppeln eine Nische mit besonderer Bedeutung, jedoch eine, die wirtschaftlich nur minimal, wenn überhaupt Einfluss auf die Bilanz nimmt. „Wir machen das mit Herzblut und innerer Überzeugung“, sagt Karlheinz Essig. Mitarbeiter fertigten unentgeltlich Klöppel mit Gewichten von mehreren Kilogramm bis mehreren Tonnen. Die Firma stelle die Logistik zur Verfügung. Ob man es glaubt oder nicht, mit nur einem Anschlag des Klöppels kann eine Glocke bis zu 200 Töne erzeugen. Dabei ist grundlegend wichtig, wie eine Glocke aufgehängt und in welchem Winkel der Klöppel ideal auf den Schlagring auftrifft. Bei mehreren Glocken in der sogenannten Glockenstube, ergibt sich daraus der individuelle Klang, wobei über das Klangverhalten einer Glocke letztendlich deren Guss entscheidet. Akustische Proben vom Geläut bekannter Gotteshäuser lieferte Karlheinz Essig gleich mit.

In der Thomaskirche in Kleinsteinbach läutet eine der ältesten Glocken in Baden mit einem Rosswag-Klöppel. Und ebenfalls in Essigs Wohnort ist die Glocke in der Friedhofskapelle seit über 30 Jahren stumm. Das soll sich ändern. Der Seniorchef verrät nur soviel: „Wir haben ein Klöppel-Projekt mit Schülern der Geschwister-Scholl-Realschule und des Ludwig-Marum-Gymnasiums Pfinztal gestartet.

Die soziale Komponente der Freiformschmiede aus dem Pfinztal sei bemerkens- und nachahmenswert, lobten der Vorsitzende des Heimatvereins Pfinztal Hans Weiß und Söllingens Ortsvorsteher Tilo Reeb namens der Ortsverwaltung, auf deren gemeinsame Initiative der Vortragsabend zustande kam.





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