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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 13.09.12 , gültig bis Mi. 19.09.12

Führung an die Eder-Grube - Waldbiotop soll Naturschutzgebiet werden

Im Unterholz knirscht es auf Schritt und Tritt. Das Terrain hat urwaldähnlichen Charakter und erstreckt sich in Gänze über eine Fläche von zehn Hektar. Die „Spechwiesen“ rahmen das Waldbiotop in der Pfinzaue, an der Schnittstelle der Gemarkungen von Berghausen und Söllingen, ein. Bei der Exkursion wissen Teilnehmer um die Historie der ehemaligen Lehmgrube, wo in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts der Abbau eingestellt wurde. Für andere Teilnehmer wiederum ist der Gang in das Biotop aus Menschenhand eine Premiere. Erstaunt aber sind alle, die mit Klaus-Helimar und Marianne Rahn sowie Thomas Heiduck das kleine Abenteuer in der „Eder-Grube“ erleben. Das Trio der BUND-Ortsgruppe Pfinztal (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat die Erforschung und Artenbestimmung dieses überregional bedeutsamen Terrains ganz oben auf seiner Agenda stehen. Man sei ständig am Untersuchen, um zu erfassen, welche Arten hier vorkommen, informiert Marianne Rahn, die mit festem Schuhwerk, Fernglas und Foto ausgerüstete Besuchergruppe.

Bereits der Blütenreichtum der umliegenden Wiesen, 111 Arten wurden bislang festgestellt, ist enorm. Ebenso die Zahl von 46 festgestellten Arten von Schmetterlingen, darunter auch der Kohlweißling, der gerade vorbeifliegt. Im Lauf der Zeit ging in Fauna und Flora vieles zurück, manches ist verschwunden, neues taucht auf, nicht weniges ist bis heute noch gar nicht gefunden, in diesem 'Schatz der Natur, mitten in Pfinztal“. Während im Fernglas erkenntlich ein Mäusebussard am Himmel seine Bahn zieht und der unmittelbare Abstieg hinunter zum Gewässer und Herzstück der Ex-Tongrube bevorsteht, listet Marianne Rahn die Eckdaten zu den bisher kartierten Arten auf. Neben 111 Pflanzenarten sind das auch 150 Tierarten, die hier ihren Lebensraum haben. Bei der BUND-Ortsgruppe Pfinztal spricht man sich schon lange für eine Unterschutzstellung, die Ausweisung als Naturschutzgebiet, aus. In einer inzwischen vorliegenden Gesamtbewertung der „Eder-Grube“ durch das Regierungspräsidium, nachdem ein Ornithologe vor Ort war, heißt es „ein schutzwürdiges und schutzbedürftiges Gebiet von überregionaler Bedeutung“, informiert Klaus-Helimar Rahn. Eine Meinung, die in der Runde der Teilnehmer einhellig geteilt wird. Auf einer Halbinsel im Biotop hat sich eine Hochstaudenkultur gebildet. Zahlreiche abgängige Bäume sind zu sehen und viel Todholz bietet zuhauf Versteckmöglichkeiten für die Tiere. Blässhuhn, Enten und Graureiher zeigen sich. Nicht zu Gesicht bekommt man Zwergtaucher, sechs Paare gibt es von dieser Vogelart in der Eder-Grube. Von den 52 vorhandenen Vogelarten stehen zwölf auf der roten Liste.

Ebenso interessant ist, dass sich vom Apfelbaum 19 Insekten- und Falterarten ernähren und von der Pappel gar 35 Arten. Gewannweg, Bahnlinie und Autostraße als ein großes Hindernis stehen im Frühjahr den aus Norden zum Laichplatz Eder-Grube kommenden Amphibien im Weg. Diese Stelle gehörte auch zum Besuchsprogramm verbunden mit dem Hinweis, dass acht Amphibienarten, zwei Arten davon sind streng geschützt, die übrigen sechs Arten besonders geschützt, hier vorkommen. Fazit: Die hohe Artenzahl aus verschiedenen Tiergruppen in einem flächenmäßig recht kleinen Gebiet geben der Eder-Grube ihren hohen Stellenwert.

Text und Foto: Emil Ehrler





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