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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 17.11.11 , gültig bis Mi. 23.11.11

750 Jahre Martinskirche Berghausen

Die Martinskirche in Berghausen gehört zu den wenigen historischen Zeitzeugen der Gemeinde

Mit historischen Gebäuden als Zeitzeugen kann das 1240 Jahre alte Berghausen nur in spärlichem Umfang aufwarten. Eines davon ist sicherlich die Martinskirche in der Ortsmitte. Deren erste Erwähnung datiert von 1261 und damit vor 750 Jahren. Für die Evangelische Kirchengemeinde dies Grund genug, zu einem Referat und einer Kirchenführung einzuladen.

Zum Thema ‚Martinskirche’ berichtet die Berghausener Ortschronik: Vom Vorhandensein einer Kirche in Berghausen erhalten wir – gemessen am Alter des Ortes – verhältnismäßig spät Kenntnis und wie die erste Kirche in Berghausen ausgesehen hat, das entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kirche in Berghausen gehörte einer Bauform an, der man die Bezeichnung Chorturmkirche gegeben hat. 1961 dann große Veränderungen am Erscheinungsbild der Kirche. Der Abriss der alten Kirche erfolgte, er bedeutete zweifellos einen Verlust. Doch dies sollte man nicht überbewerten, so die Chronik weiter. Denn nur Weniges an dem alten Bauwerk war wirklich noch „alt“; so sehr hatten die Jahrhunderte an der ursprünglichen Substanz Veränderungen vorgenommen. Was geblieben ist, das ist der mächtige, alte Turm. Der Neubau wurde optisch niedrig gehalten. Der Grundriss ist ein langgezogenes Sechseck, dessen Seiten eingeklappt sind und so senkrechte Fenster entstehen lassen, die dem Raum indirektes Licht geben. Die schräg gestellten Bänke umschließen Altar und Kanzel. 1962 am Reformationstag konnte der damalige Landesbischof Dr. Julius Bender die Kirche ihrer Bestimmung übergeben.

„Die Martinskirche – ein heiliger Ort?“, zu diesem Vortrag hatte Alfonso Becker aus Wöschbach in die Kirche eingeladen. Es gab viel zu erzählen und zu zeigen. Das Interesse war groß, was wiederum für Gemeindepfarrerin und Vorsitzende des Kirchengemeinderats Nicola Enke-Kupffer die Notwendigkeit einer geschichtlichen Exkursion vor Ort bestätigte. Auch konnte an dem 'Feiertag' der Turm, der älteste Kirchenteil, bestiegen werden: Nach 55 Stufen war die Glockenstube des als Chorturmkirche gegründeten Sakralbaus erreicht. Das erste Kirchlein auf Sandstein-Felsboden am Ausläufer des Hopfenbergs muss lange vorher bereits gestanden haben. Die Namensgebung deutet auf ein Erstpatronat im zehnten Jahrhundert hin, informierte Alfonso Becker. Mit Zunahme der Bevölkerung folgten auch schrittweise Vergrößerungen durch Verlängerung oder Verbreiterung des Kirchenschiffs. „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!' diese Worte aus der Bibel treffen auf die Martinskirche zu, wie die beim Abriss des Kirchenschiffs 1961 gefundenen Fundamente deutlich machten. Nimmt man die geometrischen Daten der Martinskirche, dann liegt die Längsachse bei 70 Grad Ost-Nord-Ost (Turm) und 250 Grad West-Süd-West (Eingang). Im Mittelalter gab es bevorzugte Namenspatrone, dazu zählte häufig der Name des Heiligen Martin. Der römische Offizier und spätere Bischof von Tours wurde dadurch berühmt, dass er seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Die Anwesenheit Gottes gibt dem Ort der Kirche etwas Geheimnisvolles, etwas Himmlisches. Dies wurde auch in der Architektur berücksichtigt. Im Neubau von vor 50 Jahren zeigt sich das Kirchenschiff in Sechseckform mit aufgelockerten Kanten. Zusammen mit dem Dach, stellte Alfonso Becker fest, „sieht die Martinskirche aus wie eine Glucke, die ihre Flügel über die Küken breitet'. Ein geradezu passendes Bild für die Kirchengemeinde Berghausen/ Wöschbach. Auch fehlt es nicht an Gedenkstätten im Kircheninnern. Dazu gehören das nahezu vier Meter hohe Selmnitz-Epitaph sowie die beiden Grabplatten des Freiherrn Konrad Heinrich von Selmnitz und seiner Ehefrau Anna Sophia. Sie datieren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es sind künstlerisch hochwertige Steinmetzarbeiten, besonders das Epitaph mit seiner Bildsprache der Auferstehung Christi als zentralem Glaubensinhalt der Christen. Zudem hat im Chorraum ein Tabernakel aus der Zeit vor 1350 seinen Platz gefunden. Bei der Außenbegehung wies Alfonso Becker auf den Bauplatz, die statische Stützung durch die Nordmauer und den alten Dorfmittelpunkt mit Rathaus (stand bis 1978 unmittelbar neben der Martinskirche) und den umgebenden Klein-Friedhof hin. Becker erwähnte auch die Längsachse der Martinskirche als Energierichtung des Dorfes mit der Pfinz als Hauptenergiequelle, die Kurve der Pfinz und des Tales vom Süden nach Westen und deren erhöhten Platz als Schutz vor Überschwemmungen. In dieser Tradition der Zueignung des Heiligen zu diesem Platz am Fuße des Hopfenbergs kann man sicher sein: Die Martinskirche ist ein Heiliger Ort, resümierte Alfonso Becker.

Text: Gemeinde/Emil Ehrler
Foto: privat





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