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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 17.11.11 , gültig bis Mi. 23.11.11

Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Pfinztal

Die Fähigkeit zu trauern ist ein Teil der Menschenwürde

Die zentrale Gedenkfeier der Gemeinde zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr in Kleinsteinbach statt

Bei der zentralen Gedenkfeier der Gemeinde Pfinztal zum Volkstrauertag auf dem Kleinsteinbacher Friedhof bezeichnete Bürgermeister Heinz E. Roser bei seiner Ansprache den Volkstrauertag nicht nur als Tag der Toten, sondern auch als Tag der Lebenden. Das Gedenken sei nicht nur eine Erinnerung an die Toten, an das Verlorene und Zerstörte, sondern auch ein Ausdruck des Mitgefühls und der Verbundenheit mit den Hinterbliebenen. Das Gedenken sei auch unser Auftrag für die Gegenwart und Zukunft, als ein Stachel im Fleisch der Vergesslichkeit. Die Berechtigung des Gedenktages, auch in der heutigen Zeit, machte er auch an einer Aussage des französischen Philosophen Gabriel Marcel fest: „Weil die Toten schweigen, beginnt immer alles von vorn“. Die Fähigkeit zu trauern, sei ein Teil der Menschenwürde, stellte der Bürgermeister heraus. Die Gedenkstunde hatte er mit einem bitteren Ausspruch der Bildhauerin Käthe Kollwitz eröffnet: „Die eigentlichen Verlierer der Kriege sind immer die Eltern, die Frauen, die Mütter“. Wir trauern um das, was Menschen anderen Menschen antun können. Es bleibe unvorstellbar und unfassbar, was an diesem Tag zur Sprache komme, Taten und Zahlen der Opfer, die jedes Begreifen übersteigen. Die Worte „Wir gedenken“ werde 66 Jahre nach dem grausamen Krieg eher leicht dahergesagt. Deshalb müsse man sich, wie es Heinrich Böll einmal formulierte, daran erinnern, wie die Einzelnen gestorben sind, unter welchen Umständen, unter welchen Schmerzen, Flüchen, Gebeten und Schreien. Er erinnerte auch an die noch unter uns lebenden Opfer von Krieg und Gewalt, an Menschen, die still leiden, weil sie Angehörige und Freunde verloren haben oder weil sie vergewaltigt und vertrieben wurden. Vor allem Einzelschicksale brächten den Nachgeborenen nahe, was Krieg und Gewalt bedeuten. Er zitierte unter anderem aus einem Brief eines Soldaten in Stalingrad, der seine ausweglose Situation seiner Frau schildert, sich aber gleichzeitig auch Gedanken über das Weiterleben seiner Familie macht. Auch in unserer heutigen Zeit bleiben täglich Menschen nicht von bewaffneten Auseinandersetzungen an vielen Orten der Welt verschont. Krieg und Vertreibung, Mord und Folter, Gewalt und Terror treffen dabei in erster Linie immer Unschuldige, Frauen und Kinder, Alte und Schwache. So werde auch der jetzigen Generation vor Augen geführt, was Krieg bedeutet. Die Frage nach dem Warum stellen sich auch die Angehörigen und Freunde von gefallenen Soldaten in Afghanistan. Roser erinnerte an die Gefahr des ‚Sich wieder Gewöhnens’ an das Wort Krieg. Versöhnung über den Gräbern als Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge werde gerade von Jugendlichen in vielen Ländern vielfach gelebt. Zeichen der Versöhnung können auch auf kommunalpolitischer Ebene gesetzt werden, wie in Pfinztal die Namensgebung großer Schulen oder die Wahl von Partnergemeinden. Der Weg zu Frieden und Freiheit sei steinig, fasste Roser zusammen, jedoch der einzig gangbare. Man dürfe sich nie an Krieg und Gewalt gewöhnen, man müsse sich immer wieder um Frieden und die Wahrung der Menschenrechte kümmern.

Die Kleinsteinbacher Ortsvorsteherin Barbara Schaier formulierte in der Friedhofskapelle das Totengedenken und bedankte sich beim Posaunenchor und dem Arbeitergesangverein „Eintracht“ Kleinsteinbach für die musikalische Umrahmung der Feier. Bürgermeister Roser, assistiert von den Ortsvorstehern Barbara Schaier, Harald Becker und Ottmar Bittner sowie einigen Gemeinderäten, legte zum Abschluss am Ehrenmal auf dem Friedhof einen Kranz nieder.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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