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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 20.10.11 , gültig bis Mi. 26.10.11

Klöppel für Kölner Petersglocke bei Edelstahl Roßwag geschmiedet

Seit Samstag, 8. Oktober, lässt sich das Ende des nahezu einjährigen Schweigens der Sankt Petersglocke im Kölner Dom absehen: Edelstahl Rosswag in Pfinztal-Kleinsteinbach schmiedete in vier Stunden einen neuen Klöppel. Der alte, gut 800 Kilogramm schwer, war im Januar 2011 zerbrochen und in die Glockenstube gefallen; glücklicherweise ohne größere Schäden anzurichten.

Hunderte Zuschauer, darunter auch die Kölner Dombaumeisterin Dr. Barbara Schock-Werner und der Kölner Domprobst Dr. Norbert Feldhoff, verfolgten das 'glühende Ereignis' mit mehreren Schmiedegängen und Wiederaufheizzyklen für den anfangs nahezu eine Tonne schweren Stahlstab. Alexander Essig, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens, begrüßte die Gäste voller Stolz: 'Der ‚Dícke Pitter' ist die größte frei schwingend läutbare Glocke der Welt - und wir dürfen den Klöppel fertigen!'

Die rund sechs Millionen Besucher des Kölner Doms pro Jahr können ab Dezember hören, ob der neue Stahl und der Bronzeguss aus dem Jahr 1923 harmonieren. Essig und sein Kollege Dr. Sven Donisi sind davon überzeugt: 'Die Fachhochschule Kempten mit dem Europäischen Forschungsprojekt ProBell hat uns bestätigt, dass die Hightech-Klöppel aus dem Spezialstahl RSK100 die besten der Welt sind: bruchsicher, die Glocke schonend, den Klang unterstützend.' Donisi beschreibt die besonderen Belastungen in einem Kirchturm: 'Im Winter kann Kälte von minus 30 Grad herrschen, im Sommer kann es über 40 Grad heiß werden'. Dazu komme die Belastung an der Aufhängung in der Glockenkrone. Andererseits müsse die Glocke an der Auftreffstelle viel aushalten. Deshalb sei der neue Klöppel auch leichter, ohne dass die Glocke leiser oder dumpfer klingt. Die Maße des neuen Klöppels: ein Fertiggewicht von rund 600 Kilogramm und eine Länge von 3,20 Metern.

Aufgrund des Werkstoffs, des mehrstündigen Schmiedens des Rohlings in 'Handarbeit', der folgenden aufwändigen mechanischen Bearbeitung und der sorgfältigen Qualitätsprüfung - in Zusammenarbeit mit dem TÜV Süd - sind diese Produkte aus Baden-Württemberg aber auch teuer: 'Ein Klöppel von Rosswag ist mit einem Maybach vergleichbar', so Alexander Essig. Da die Gesellschafter von Rosswag den kompletten Klöppel stiften und die Stahlhandelsfirma BHG aus Siegen den Werkstoff kostenlos bereitstellt, kommt dieser 'Maybach' das Kölner Domkapitel allerdings relativ günstig.

Unter den Besuchern waren auch die Landtagsabgeordneten Dr. Frank Mentrup, Staatssekretär im Kultusministerium, und Werner Raab. Sie und alle anderen erfüllten an diesem besonderen Tag auch einen guten Zweck: Edelstahl Rosswag rief zu Spenden für den fünfjährigen Colin Link aus Pfinztal auf. Die Therapien im Ausland für den mehrfach körperlich und geistig behinderten Jungen können dessen Eltern nicht bezahlen. Rosswag wird die gesammelte Summe  aufstocken.

Edelstahl Rosswag gilt als der europäische Spezialist für Großklöppel, insbesondere bei historischen Glocken. Zentrale Unternehmensprodukte sind nach Angaben der Geschäftsführung hoch belastete Teile, unter anderem für den Maschinen-, Fahrzeug- und Kraftwerksbau oder für die Erdölindustrie. Das im Familienbesitz befindliche Unternehmen kann 2011 auf genau 100 Jahre zurückblicken. Über 180 Mitarbeiter beschäftigt das immer in Kleinsteinbach ansässige Unternehmen. Glockenklöppel von Edelstahl Rosswag hängen beispielsweise in der 'Pummerin' im Wiener Stephansdom, im Erfurter Dom, in der Dresdner Frauen- und Dresdner Hofkirche, im Dom zu Speyer, im Straßburger Dom oder in der Friedensglocke auf Malta.





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