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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 08.09.11 , gültig bis Mi. 14.09.11

Menschen aus Pfinztal: Dr. Joachim Nagel

Interview mit Dr. Joachim Nagel, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank:

Kennen Sie eigentlich „Pfinztal aktuell“ – das Amtsblatt der Gemeinde?

„Pfinztal aktuell“ kenne ich als Abonnent sehr gut. Das Amtsblatt der Gemeinde ist immer informativ und berichtet aktuell über das Geschehen in der Gemeinde.

Sie stammen aus Karlsruhe, sind also ein Städter, der aufs Land gezogen ist. Warum haben Sie sich im Jahr 1999 für Pfinztal als Wohnort entschieden? Was waren damals Ihre Gründe? Und was uns natürlich brennend interessiert, wohnen Sie immer noch gerne hier? Haben Sie Pfinztal in dieser Zeit kennen- und vielleicht sogar lieben gelernt und was schätzen Sie an Ihrem Wohnort? Gibt es einen Lieblingsplatz?

Wie so oft im Leben, kommt Manches ungeplant. Meine Schwester baute 1990 in Berghausen und als sie beruflich 1999 Pfinztal verlassen musste, ergriff ich die Chance und zog in das frei gewordene Haus. Pfinztal ist in einem sehr positiven Sinne dörflich strukturiert, dies hat viele Vorzüge, insbesondere dann, wenn kleine Kinder in der Familie sind. Seit Neuestem haben wir auch einen Hund und ich liebe die Spaziergänge in den Feldrandlagen von Berghausen.

Sie pendeln sicherlich viel zwischen Pfinztal und Frankfurt. Haben Sie schon in Erwägung gezogen, den Wohnort zu wechseln?

Wie gesagt: kleinere Strukturen haben gerade für Familien ihre Vorzüge im Vergleich zu Großstädten und Baden ist doch einfach eine schöne Ecke; da will man doch eigentlich nicht weg.

Herr Dr. Nagel, wir stellen uns vor, dass die Arbeit bei der Deutschen Bundesbank Sie zeitlich sehr in Anspruch nimmt. Wie schaffen Sie es, vier sicherlich wichtige Dinge Ihres Lebens „unter einen Hut“ zu bringen: Ehemann, Vater zweier Kinder, Beruf und Hobby/Freizeit?

Zugegeben ist dies mitunter schwierig. Jeder Job hat seinen Preis. Die Familie hat sich mittlerweile an meine häufigen Abwesenheiten gewöhnt, dennoch versuchen wir die rare gemeinsame Zeit intensiv zu nutzen. Der Sport hat am meisten gelitten.

Verfolgen Sie das Pfinztaler Vereinsleben und die Kommunalpolitik?

Ich verfolge durchaus das Pfinztaler Vereinsleben und die Kommunalpolitik. Meine Frau engagiert sich beim TSV Berghausen und mit Bürgermeister Roser habe ich mich schon das eine oder andere Mal über kommunalpolitische Fragen ausgetauscht.

Wir sind neugierig und haben in Erfahrung gebracht, dass Ihre Kinder (6 und 8 Jahre) am Kinderprogramm der Gemeinde teilnehmen. Was erzählen die beiden, kommen sie mit Begeisterung, neuen Ideen und Informationen zurück?

Das Kinderferienprogramm in Pfinztal ist eine super Sache: vielfältig, lehrreich und für die Kinder spannend. Unsere Kinder machen das total begeistert und als Eltern hat man auch das gute Gefühl, dass die Kinder etwas sehr Sinnvolles mit ihrer Ferienzeit anstellen. Ich kann die Gemeinde zu dieser vorbildlichen Initiative nur beglückwünschen.

Kinder sind etwas Wunderbares, manchmal zwar anstrengend, aber sie bereiten viel Freude. Sie sind aktiv und brauchen Bewegung und Spielkameraden. Kann man Sie mit Ihren Kindern auf unseren Spiel- und Bolzplätzen treffen? Waren Sie mit Ihrer Familie schon einmal im Natur-Erlebnis-Pfad in Söllingen? Nutzen Sie die Pfinztaler Freizeitangebote?

Pfinztal bietet viel, für Kinder; in dieser Hinsicht wird die Gemeinde oft unterschätzt. Gerade vor unserer Haustür ist ein Bolzplatz. Als Kind wäre ich froh gewesen, wenn ich dies so vorgefunden hätte. Den Natur-Erlebnis-Pfad in Söllingen kenne ich bislang noch nicht, meine Familie war schon da, ich muss es also schnellstens nachholen.

Gerne würden wir auch etwas über Ihren beruflichen Alltag erfahren. Können Sie uns kurz einen „normalen“ Arbeitstag beschreiben?

Das spannende an meinem Job ist, dass es so einen typisch „normalen“ Arbeitstag nicht gibt; dies gilt spätestens seit Beginn der Finanzkrise. Mein Zuständigkeitsbereich bei der Bundesbank umfasst die Finanzmarktanalyse operationale Geldpolitik, das Management der Währungsreserven und die IT-Infrastruktur der Bank. Insgesamt vielfältige Aufgaben in einer gelinde gesagt nicht sehr einfachen Finanzmarktumgebung.

Warum hat es Sie als Diplom-Volkswirt in den Bankensektor verschlagen? Faszinierte Sie der Umgang mit dem Kapital oder was waren Ihre Beweggründe?

Für Volkswirte ist die Bundesbank ein idealer Arbeitgeber. Der institutionelle Rahmen und die Aufgabe der Bundesbank sind für Ökonomen eine hervorragende Plattform die theoretischen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden; und Geldpolitik – gleichsam die Königsdisziplin für Volkswirte – kann letztlich nur bei Notenbanken gelernt und praktiziert werden.

Ihre Karriere könnte man als bilderbuchmäßig bezeichnen. Neben der fachlichen Qualifikation, die Sie letztlich in die Vorstandsetage der Bundesbank gebracht hat ist sicherlich viel Ehrgeiz erforderlich, aber auch das familiäre Umfeld muss stimmen. Wie verbinden Sie Arbeit und Familie und haben Sie jetzt Ihr berufliches Ziel erreicht? Wie viel Zeit bleibt Ihnen für die Familie und wie intensiv nutzen Sie diese?

Zu einer Karriere gehört sicherlich Ehrgeiz, aber auch viel Glück. Deshalb sehe ich dies mit einer gewissen Demut und innerlichen Distanz. Meinem ganzen familiären Umfeld, insbesondere meinen Eltern, die mich immer unterstützt haben, bin ich sehr dankbar. In meiner Freizeit spiele ich begeistert seit mehr als 30 Jahren Tennis, in letzter Zeit komm dies leider zu kurz.

Können Sie auch abschalten, die „Füße hochlegen“ und einmal nicht an die Arbeit denken? Werden Sie in den momentan turbulenten Zeiten der Finanz- und Währungskrise verstärkt von der Politik/Bundesregierung in Anspruch genommen, um beratend tätig zu sein?

Die Bundesbank ist als unabhängiger Ratgeber gefragt. Gerade die Finanzkrise hat einmal mehr unterstrichen, wie wichtig eine unabhängige Notenbank ist - gerade in ihrer Beratungsfunktion. Hier gibt es auch nicht immer einen Konsens. Am Ende sollte das fachliche Argument überzeugen und hier ist die Bundesbank so schlecht nicht aufgestellt.

In der Bevölkerung herrscht die Sorge nach der Sicherheit des Ersparten. Können Sie die Menschen beruhigen?

Die Sorgen der Menschen sind verständlich, jedoch unbegründet. Der Euro war und ist eine stabile Währung. Sie können darauf setzen, dass die Bundesbank sich auch in Zukunft für die Stabilität unserer Währung einsetzen wird.

Zum Schluss unseres Interviews möchten wir noch Persönliches von Ihnen wissen. Was ist für Sie das Wichtigste im Leben? Wo sehen Sie sich in 10 Jahren? Was bedeutet für Sie Urlaub?

Urlaub ist wichtig: Abstand nehmen, frei von Verpflichtungen sein und die Seele ein wenig baumeln zu lassen, geben neue Kraft. Egal was man tut oder ist, am Ende zählt doch nur das Wohlergehen der Familie. Ich bin eigentlich niemand, der große Pläne für die nächsten Jahre macht. Diese Strategie beugt auch möglichen Enttäuschungen vor. Getreu nach dem Motto: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

Interview: Gemeinde
Foto: privat





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