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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Do. 01.09.11 , gültig bis Mi. 07.09.11

"Große Güter" in alter Zeit in Söllingen

Die Klöster verloren 1556 ihre Lehenshoheit

Der Ort Söllingen wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Hirsau im Jahr 1085 als 'Saldingen' erwähnt. Geschichte und Gegenwart des Dorfes sind im Ortsbuch von 1985 nachzulesen. Darin zu finden ist auch das Kapitel 'Eigentumsverhältnisse der Söllinger Gemarkung in alter Zeit', für das Peter Appelius verantwortlich zeichnete. Um von der Größe der Söllinger Gemarkung in etwa ein Bild zu bekommen, seien die heute gültigen 1 244 Hektar Gemarkungsfläche genannt. Das entspricht 124 000 Ar oder in jener Zeit rund 3 445 badische Morgen. Einige alte Urkunden lassen sich zeitlich nicht mehr zuordnen. Sie machen aber im Verbund mit den damaligen weltlichen und geistigen Personen und deren Verknüpfungen deutlich, dass Söllingen viel älter sein muss, als 1085. Berichtet wird von zahlreichen Geschehnissen in Verbindung mit Schenkungen und beurkundeten Verträgen zu den großen Ortsgütern. Einige von ihnen jähren sich 2011 rund. So empfing vor nunmehr 720 Jahren Markgraf Hermann VII. von Baden vom Kloster Weißenburg 'zu Lehen: ... ebenso Söllingen, das Patronatsrecht, das Dorf, alles was sie dort haben'. Vor 475 Jahren Jahren werden die Größenverhältnisse des 'Trigels Hof', des wohl ältesten, 1369 erstmals erwähnten, namentlich erfassten Hofs, auf Söllinger Gemarkung genannt. Das Gut umfasste 1536 76 Morgen Acker, 1,75 Morgen Wiesen, wobei ein badischer Morgen 36 Ar entspricht. Vor 455 Jahren, Anno 1556, nach der Reformation, verloren die Klöster Weißenburg und Gottesau die Lehenshoheit über Söllinger Besitztümer. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts werden vier Höfe in Söllingen in den Akten als 'Hoffgüter' bezeichnet und gehörten damit zum Besitz des Markgrafen. Von diesen vier Gütern auf Söllinger Grund war zu Beginn des 16. Jahrhunderts keines mehr in adeligem Besitz. In den Urkunden zeichneten nun Bürger des Ortes. Dennoch wurden die Höfe von der Markgräflichen Verwaltung in Durlach betreut und weiterhin als Erblehen durch die Markgrafen vergeben. Das traf auch auf den 'Peln Hof' zu, 1423 erstmals erwähnt. In einem Erblehensbrief von 1656, also vor 355 Jahren, wurden nur bürgerliche Lehensträger erwähnt. Der 'Peln Hof', Ende des 17. Jahrhunderts auch 'Pfähl Hof' genannt, wies mit zehn Morgen Acker und sechs Morgen Wiesen den größten Grundbesitz auf Söllinger Gemarkung auf. Daneben gab es noch den 'Gertringer Hof' sowie den 'Pfeiffer-Ulrichs Hof', die im 14. beziehungsweise 15. Jahrhundert erstmals in Lehensbriefen genannt werden und die zum Quartett der 'Hoffgüter' gehörten. Es gab auch einen 'Abts- und Gottesauer Hof', seit 1262 im Besitz des Klosters Gottesaue. Wiederholt wurde es an Erblehensträger vergeben. So auch 1736, also vor 275 Jahren, als der Grundbesitz 50 Morgen Acker, sowie 18 und ein Viertel Morgen Weinberge umfasste. Interessant ist, wie damals zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Zins für den Wein abzuliefern war: Der Ertrag von sieben Morgen 'vom Besten' ging an die Fürstliche Amtskellerei, weitere sechs Morgen, ebenfalls 'vom Besten', gingen 'an die Gnädige Herrschaft', drei Morgen an die Geistliche Verwaltung und nur die restlichen zweieinviertel Morgen blieben zinsfrei. Sie gehörten dem Lehensmann und seinen Pächtern. Der sechste Erblehenshof in Seldingen, das 'Widdumsgut', findet sich 1480 erstmals in den Urkunden. Sein Flächeninhalt, datiert von 1481, also vor 530 Jahren, belief sich auf 34,75 Morgen Acker und sieben Morgen Wiesen. 1853 wurde der gesamte Besitz mit Liegenschaften den damaligen Pächtern, darunter auch der Wirt des Gasthauses 'Zum Schwanen', zum Verkauf angeboten. Der Hof wurde geteilt. Damit war auch das endgültig letzte Kapitel über die 'Großer Güter in Söllingen' beendet. In der Gegenwart gibt es Bauernhöfe in Söllingen im 'Hirschtal', den 'Sonnenhof' im Schwinntal, dazu gibt es einen Obst- und einen Weinhof im Gewann 'Hafengrund'.

Text und Foto: Emil Ehrler





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