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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 10.10.18 , gültig bis Mi. 17.10.18

„Ausgewogen“ als Leitwort bei der Ernährung

Lebensmittelvielfalt Thema bei der Seniorenakademie

 
Ernährungswissenschaftlerin Dr. Renate Becker referierte bei der Seniorenakademie Pfinztal

Das Thema Ernährung rückt die Seniorenakademie Pfinztal in den ersten beiden Veranstaltungen ihres Vortragszyklus 2018/19 in den Blickpunkt. Den Auftakt machte Renate Becker, promovierte Diplom-Ernährungswissenschaftlerin, die im Auftrag des Ernährungszentrums Mittlerer Oberrhein in Bruchsal referierte. „Was steckt in den Lebensmitteln mit Bezeichnungen wie light, fettarm, fettreduziert, zuckerreduziert etc. – Was ist gesund?“ überschrieb sie ihre Ausführungen. „Die Leute sind zu dick“ sei in den Medien immer wieder zu hören, und die Forderung nach gesunder Ernährung sei in aller Munde. Auch die Lebensmittelindustrie (LMI) habe dieses Thema aufgegriffen und versuche, durch geschickte Vermarktungen ihre Produkte zielorientiert an die Menschen zu bringen, stellte Dr. R. Becker an den Anfang. „Ich kämpfe in meiner Lehrtätigkeit gegen Halbwissen“, das auf diesem Gebiet sehr ausgeprägt sei. Was ist wirklich gesund? Jeder habe eine andere Meinung.

Zur Geschichte der light-Produkte, früher „Du darfst“-Produkte genannt, bemerkte die Referentin, ursprünglich seien fett- und kalorienarme Produkte für Herzkranke und Diabetiker konzipiert gewesen. Nach den Hunger- und Magerjahren im und nach dem Krieg seien die 60er- und 70er-Jahre vom „Essen im Unverstand“ geprägt worden, dem dann die Fitnesswelle folgte. „Ich will gesund sterben, nicht krank“, kennzeichne den heutigen Trend. Die Lebensmittelindustrie sei auf diesen Trend aufgesprungen. Die psychologische Komponente spiele in ihrer Strategie eine besondere Rolle. Helle, pastellfarbene Verpackungsfarben seien ihr nützlich. Der Begriff „light“ sei lebensmittelrechtlich nicht geschützt. In den Begriffen kalorienarm, fett-, koffein- oder alkoholreduziert, leicht bekömmlich oder leicht gesalzen sind versteckte Botschaften verborgen. Außerhalb der light-Produkte gebe es seit 2007 EU-weit gesetzliche Regelungen, die kontrolliert werden. Erläutert wurden jeweilige Mengenfestlegungen für feste und flüssige Stoffe. Irreführend sei der Begriff fettfrei, ebenso alkoholfrei. Aber Fett brauche unser Körper; der Fettanteil der Nahrung liege bei 30 Prozent (Kohlenhydrate 55-60 %, Eiweiß 15 %). Bei Fett komme es, ob gesund oder ungesund, auf die Fettsäuren an: gesättigte (Butter, Wurst, Fleisch, Käse) seien in Maßen gegessen verträglich, Transfettsäuren (Gebäck), einfach ungesättigte (Oliven- und Rapsöl – nicht zu hoch erhitzen!), mehrfach ungesättigte (Omega-6 und -3-Säuren – in Seefisch, Sonnenblumenöl – hoch erhitzbar). Warnende Worte gab es in Richtung Fettaustauschstoffe, wie von der LMI für light-Produkte, Eiscreme oder Mayonnaise verwendet. Detaillierte Ausführungen gab es auch zum Zuckergehalt. Zucker sei Freund und Feind zugleich. Unbewusst werde oft versteckter Zucker zu sich genommen (Tütensuppen, Rotkohl, Gewürzgurken oder Joghurt). Man unterscheidet Einfach-Zucker (in Obst, Honig), Zweifach-Zucker (Haushaltszucker), Malz- und Milchzucker, Vielfach-Zucker (Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte, Brot, Leber, Muskelfleisch). Angesprochen wurden ferner die Geschmacksverstärkerproblematik, Ballaststoffzufuhr, Zuckeraustauschstoffe und getarnter Zucker. Die Werbung vermittle meist nur Teilwahrheiten. Ausgewogenheit sei das Leitwort in der Ernährung: Tägliche Obst- und Gemüseportionen, gesundes Öl, tierische Produkte in Maßen, eingeschränkter Alkoholgenuss (Bier, Wein).

Text: Karl-Heinz Wenz





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