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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Di. 14.05.19 , gültig bis Mi. 22.05.19

Menschen aus Pfinztal - Ein Integrationsbeispiel, das einfach gelingen muss

Assan Jallow hat gern ein Lächeln, ein Strahlen im Gesicht, bleibt aber auch ernst, wenn er mit seinen persönlichen Problemen oder Auswirkungen von Rassismus konfrontiert wird.

Am Freitag stand er als zentrale Figur und besonders positives Beispiel, stellvertretend für viele Migranten und Asylsuchende, im Mittelpunkt des Dokumentarfilmes „Keine Angst vorm schwarzen Mann“, den der in Kleinsteinbach wohnhafte Filmschaffende Walter L.Brähler, auch in leitender Funktion bei der Flüchtlingshilfe Pfinztal aktiv, gedreht hat. Es war nach der Uraufführung des Filmes im Ständehaus Karlsruhe im Rahmen der „Wochen gegen Rassismus“ Ende März jetzt die zweite Präsentation des Filmes in der neuen Heimat des nunmehr 25-jährigen Gambiers, Kleinsteinbach. Dass sein Freundes- und Bekanntenkreis über drei Generationen hinweg inzwischen beachtlich groß geworden ist, zeigte auch die Besucherresonanz in der gutbesuchten Aula der Aloys-Henhöfer-Schule. Verstanden wurde diese auch als Anerkennung der Persönlichkeit des sympathischen Schwarzafrikaners. Der Film solle ein Licht werfen auf die Integration durch Sport und das Vorbeugen vor Rassismus im Alltag, so Regisseur Brähler, und dass Integration vor allem dann gelinge, wenn Eigeninitiative wie im Fall Assan auf konkrete Hilfe treffe. Gerade für die Unterstützung durch private Seite, den Sportverein ATSV und das Unternehmen Edelstahl Rosswag, in dem Assan eine Ausbildung zum Zerspanungsmechatroniker macht, habe ihm bei seinem Filmprojekt viele positive Erfahrungen beschert. Im Film schildert Assan seinen Werdegang von der Flucht 2011 als Minderjähriger wegen der Lebensumstände aus Gambia, seine abenteuerliche Reise als blinder Passagier auf einem Schiff, die zufällige Ankunft in Deutschland, das Ankommen in einem Asylantenheim in Bad Wildbad und schließlich die zufällige Landung in Kleinsteinbach, wo sich der ATSV von Anfang an um ihn kümmerte und ihm eine sportliche Heimat als Fußballer bot. Ein großer Schritt war die Aufnahme in eine Kleinsteinbacher Familie, wo er sich schnell als Teil der Familie fühlen durfte und, wie bestätigt, als warmherziger Mensch herausstellte. „Ich habe gelernt, wie man in Deutschland lebt“. Doch sein Asylantrag wurde zunächst abgelehnt; eine Petition mit vielen Unterschriften führte dann dazu, dass ihm Bleiberecht eingeräumt würde, wenn er eine Ausbildung erfolgreich abschlösse und eine Anstellung vorweise. Firma Rosswag gab ihm diese Chance („Er ist durch seine Art im Betrieb sehr beliebt“). „Die Arbeit machte mir von Anfang an Spaß. Ich wollte auf eigenen Beinen stehen“, bekennt Assan. Seine sprachlichen Kenntnisse besserten sich zunehmend. Er bezog nun auch eine eigene Wohnung. Im Verein engagierte er sich zusätzlich als Jugendtrainer und außerdem seit 2013 bei der AWO Pforzheim ehrenamtlich bei der Kinderbetreuung. Von allen Seiten gibt es nur lobende Worte. Assan verhehlt aber nicht gemachte Erfahrungen mit Alltagsrassismus, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ignorieren helfe gegen Eskalation. Was ihm auch immer wieder hilft, sind seine vielen Freunde im Verein und im Ort, die ihn immer wieder aufbauen, wenn ihn einmal Mut und Kraft verlassen oder auch hin und wieder Heimweh hat. In dem Film kommen auch Bekannte aus der Fußballszene zum Thema Integration, Sport und Rassismus zu Wort wie der ehemalige Nationalspieler Patrick Owomoyela, der Integrations-Beauftragte des DFB, Cacau, und der Fanbeauftragte von Borussia Dortmund, Daniel Lörcher. Walter Brähler meinte, Assan sei ein Bruder im Geiste von Cacau. Ein Wermutstropfen und einige Selbstzweifel bleiben, weil Assan einen Teil seiner theoretischen Prüfung wiederholen muss (geschieht in dieser Woche). Ursache sind teilweise noch auftretende Verständnisprobleme von Begrifflichkeiten in Text-aufgaben. Es bestehe aber Hoffnung für einen erfolgreichen Abschluss. Eine unglaubliche Kraft, auch mit Rückschlägen fertig zu werden, und Wille, sein persönliches Ziel zu erreichen, wurden dem jungen Mann in der Diskussion bestätigt und größter Respekt gezollt. In Assans Erwiderung in erstaunlichem Deutsch wurde eine tiefe Dankbarkeit für all die Unterstützung deutlich, wobei klar zum Ausdruck kam, dass nicht das Materielle, sondern das Annehmen als Menschen und Gemochtwerden im Vordergrund stehen.

 

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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